Reserviert für die Natur

Eine Wiese neben der Rheinbrücke ist mit Wurzeln versperrt, um die Zufahrt zu verhindern – hier soll eine Magerwiese entstehen.
Eine Wiese neben der Rheinbrücke ist mit Wurzeln versperrt, um die Zufahrt zu verhindern – hier soll eine Magerwiese entstehen.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Am Ufer an der Rheinbrücke sind Wege und Wiesen abgesperrt, der Bereich wird Ausgleichsfläche. Am Pfeiler selbst gehen die Arbeiten nun in die Tiefe.

Wesel..  Für manche hatte das Tradition: Vor der Weiterfahrt in die Stadt rechts am Ende der Rheinbrücke abbiegen zum Rheinufer. Lkw-Fahrer holten ihr Pausenbrot hervor mit Blick auf den Strom, Brückenfans verfolgten den Fortgang der Arbeiten, Spaziergänger ließen den Hund laufen, Pärchen trafen sich. Damit ist jetzt Schluss, der Platz wird für Dorngrasmücke und Sumpfrohrsänger reserviert.

Ein Tor stoppt Autos

Die Flächen links und rechts des Weges sind mit wuchtigen Wurzelstubben auf einer Länge von 45 Metern abgesperrt, der Landesbetrieb Straßen NRW hat ein Tor eingebaut, um auch die Zufahrt zum Rheinufer zu verhindern. Auch zu Fuß ist es zumindest von diesem Weg aus nicht mehr möglich, oberhalb des Ufers bis zum Hafen zu laufen – oder man müsste über die Baumwurzeln turnen.

Den Sinn der Maßnahme erläutert Wilhelm Kuypers von Straßen NRW: Die Fläche, auf der die Brücken-Gucker ihre Autos abgestellt haben, soll künftig eine Magerwiese werden. Sie ist Teil der vorgesehenen landschaftspflegerischen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für die B58n-Rheinbrücke Wesel. „Ziel der Maßnahme ist die Schaffung von Ersatz für an gleicher Stelle verloren gegangenes brachgefallenes Magergrünland sowie für die verloren gehenden Brutplätze von Dorngrasmücke und Sumpfrohrsänger“, so Kuypers.

Wenn die Rückbauarbeiten am Brückenpfeiler beendet sind und das Abbruchmaterial vom Ufer abtransportiert wurde, soll an dieser Stelle kein Oberboden aufgetragen werden, auch werde man keinen Rasen säen oder irgendetwas anpflanzen. Die Fläche wird der natürlichen Entwicklung überlassen und in den ersten zwei bis drei Jahren zweimal im Jahr gemäht, um den Aufwuchs von Sträuchern und Bäumen einzudämmen.

Unter Wasser

Derweil spielen sich die Abbrucharbeiten am Rheinpfeiler bereits unterhalb des Wasserspiegels ab. In den vergangenen Tagen haben ein Kranschiff und ein Ponton mit Bagger eine Art Leitplanke vor der Baustelle angebracht. Das ist deshalb wichtig, weil die Baustelle für die Schifffahrt kaum noch zu sehen ist, alles spielt sich in der Tiefe ab. Die Leitplanke, eine Dalbenschutzkonstruktion, verhindert einerseits, dass Schiffe frontal in die Baustelle fahren können. Aber auch, dass sie in der Kurve zu nahe an die Stelle herandriften. „Es ist zum Schutz der in der Grube arbeitenden Leute“, erläutert Brückenbauingenieur Franz-Josef Scheuer. „Würde die Spundwand eingedrückt, hätten sie keine Chance,“ sagt er.

Ohnehin wird es ein ziemlich ungemütlicher Arbeitsplatz, mitten im Rhein. Elf Meter unter dem Wasserspiegel werden die Arbeiter das Brückenfundament abtragen, fünf Meter tief in die Rheinsohle hinein. Wegen des hohen Drucks wird die Spundwand durch eine Art „Gürtel“ verstärkt. Erschwerte Bedingungen sind dies - da ist es gut zu wissen, dass zumindest von der Schifffahrt keine Gefahr droht, „das Leitwerk macht Sinn“, so Scheuer.