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Reise in eine andere Welt

23.07.2009 | 18:58 Uhr

Für Familie Neu vom Fusternberg sind die Philippinen wie eine zweite Heimat

Dr. Rainer, Samantha, Malaika und Marie-Paule Neu

Ein Aufbruch in eine ganz andere Welt, gleichzeitig aber auch eine Rückkehr in die Heimat – so wird es sich anfühlen, wenn Samantha Neu Anfang August ins Flugzeug steigt und auf die Philippinen reist. Die 19-jährige Weselerin geht für neun Monate nach Cagayan de Oro auf der Insel Mindanao, um dort ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren und mit Straßenkindern zu arbeiten. Gegenüber anderen jungen Menschen, die sich auf den Philippinen engagieren, hat Samantha einen großen Vorteil: Sie weiß, was auf sie zukommt, denn die junge Frau wurde in dem südostasiatischen Inselstaat geboren.

Samanthas Familie hat eine starke Verbindung zu den Philippinen. Ihr Vater, der evangelische Theologe Dr. Rainer Neu, hatte schon als junger Mann den Plan, ins Ausland zu gehen, und fand in der Künstlerin Marie-Paule die passende Frau dafür, berichtet er.

Acht Jahre auf Negros

Von 1988 bis 1996 arbeitete das Paar in der Entwicklungshilfe auf den Philippinen. Die ältere Tochter Malaika war gerade sechs Monate als, als die Familie umzog, ihre Schwester Samantha wurde zwei Jahre später in Dumaguete auf der Insel Negros geboren. Dort verbrachten die beiden Mädchen ihre ersten Lebensjahre, bevor es für die Familie Neu 1996 zurück nach Wesel ging.

„Klar sind wir in Wesel zu Hause”, sagt Samantha. „Aber irgendwie sind die Philippinen immer ein Stückchen Heimat geblieben.” Für ihre Schwester Malaika war deshalb auch schon immer klar, dass sie irgendwann zurück möchte. Die 21-Jährige hat diesen Plan im vergangenen Jahr umgesetzt. Wie nun auch ihre jüngere Schwester Samantha ist sie für ein freiwilliges soziales Jahr auf die Philippinen gegangen.

„Es war ein tolles und bewegendes Jahr”, erzählt Malaika, die erst vor wenigen Wochen zurückgekommen ist. Sie hat in Maloh – ganz in der Nähe der alten Heimat Dumaguete – in einer Gastfamilie gelebt und in einem Kindergarten der Kindernothilfe gearbeitet.

Alte Bekannte wiedergetroffen

Einerseits sei es spannend gewesen, 13 Jahre nach dem Umzug nach Wesel viele alte Freunde und Bekannte wiederzusehen. „Aber auch ganz unabhängig von meiner Vergangenheit war die Arbeit mit den Kindern einfach nur schön”, berichtet die 21-Jährige. Es sei berührend gewesen, zu sehen, in welch ärmlichen Verhältnissen viele Kinder auf den Philippinen aufwachsen und welche „Kleinigkeiten” sie zum Strahlen bringen. „Da lernt man Dinge wie eine Dusche oder einen Kühlschrank wieder zu schätzen”, weiß Malaika.

Noch viel bewegender als ihre Zeit in Maloh aber seien drei Wochen in Cagayan de Oro gewesen. Malaika hat dort bei dem Straßenkinderprojekt mitgearbeitet, bei dem auch ihre kleine Schwester Samantha sich in den kommenden Monaten engagieren wird. „Mir sind dort Kinder begegnet, deren Eltern total verarmt sind, und die überhaupt keine familiäre Wärme in ihrem Leben kennen”, berichtet Malaika. Sie habe versucht, diesen Kindern eine Freundin zu sein. „Die Kleinen waren so glücklich, wenn sich nur jemand für einen Kratzer interessiert hat, den sie sich auf der Straße zugezogen haben, und ihnen ein Pflaster auf die Wunde geklebt hat.”

Das und Ähnliches wird auch Samantha Neu in den nächsten Monaten tun. Nachdem ihre Schwester ihr von ihren Erlebnissen mit den Straßenkindern von Cayagan de Oro erzählt hatte, entschloss sich die Abiturientin, nicht – wie ursprünglich geplant – für ein soziales Jahr nach Thailand, sondern ebenfalls auf die Philippinen zu gehen. Sie wird mit zwei anderen Mädchen aus Deutschland in einer WG leben und versuchen, den armen Mädchen und Jungen ihr Leben auf der Straße zu erleichtern. Das Zentrum, in dem Samantha arbeiten wird, ist kein Heim, aber eine wichtige Anlaufstelle für die Kinder, in der sie eine warme Mahlzeit, Betreuung und ein wenig Sicherheit bekommen.

Entwicklungshilfe mit Kunst kombinieren

„Auch wenn es sicher nicht immer einfach wird – die Vorfreude überwiegt”, sagt Samantha wenige Tage vor ihrem Abflug. An den Wochenenden möchte die 19-Jährige ab und an ihre ehemaligen Freunde in Dumaguete besuchen und an den Ort ihrer frühesten Kindheit zurückkehren.

Beide Schwestern können sich auch vorstellen, für immer auf die Philippinen zu gehen. „Entwicklungshilfe kombiniert mit Kunst, das wäre der perfekte Job”, sagt Malaika, und Samantha stimmt zu. Die ältere Schwester studiert nun freie Kunst in Berlin, Samantha wird nach ihrer Rückkehr nach Nimwegen gehen und dort Kunsttherapie studieren.

Gabi Schultze

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