Radeln mit Minister Jäger

Auf geht’s!  NRW-Innenminister Ralf Jäger (in der gelben Jacke) und Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth (vorn rechts) gingen gemeinsam auf Tour.
Auf geht’s! NRW-Innenminister Ralf Jäger (in der gelben Jacke) und Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth (vorn rechts) gingen gemeinsam auf Tour.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
NRW-Innenminister Ralf Jäger stattete Schermbeck gestern einen Besuch ab. Bei seiner diesjährigen Komm-Tour informiert er sich über bürgerschaftliches Engagement in der Region

Schermbeck..  Es dauert noch ein bisschen. „Der Minister ist gleich hier“, meldet ein gut informierter Schermbecker im Dorfgemeinschaftshaus mit einem Blick auf sein Handy. Aktuell wurde er in Höhe des Brüner Wegs gesichtet, wenige Kilometer vom Ziel entfernt. Zeit für Elke Volkmann vom Bürgertreff, einen letzten prüfenden Blick auf das Büffet zu werfen, das sie mit den anderen ehrenamtlichen Helfern vorbereitet hat: Sekt und Orangensaft stehen bereit, herzhafte Schnittchen und auf den Tischen Schokolade zum Knabbern. Elke Volkmann ist zufrieden: Dann kann er ja kommen, der hohe Besuch! Wenig später zeigt sich Ralf Jäger, 54, Innenminister des Landes NRW, beeindruckt von der Gastfreundschaft der Schermbecker. Besser kann ein Eindruck von bürgerschaftlichem Engagement kaum sein!

Seit Mittwoch ist der SPD-Minister kreisweit mit dem Fahrrad unterwegs, um sich ein Bild von den sozialen Einrichtungen am Niederrhein zu machen. Bis Freitag dauert die Tour, „Kultur und Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement“, lautet ihr Motto. Für Jäger ist es die dritte „Komm-Tour“ seiner Amtszeit nach Besuchen in der Eifel und im Münsterland. 160 Kilometer in zweieinhalb Tagen legen er und seine Begleiter diesmal mit dem Drahtesel zurück.

Wo drückt der Schuh?

Ein Ausflug mit Hintergrund: Vom Schreibtisch aus könne man sich als Politiker kein vollständiges Bild von den Verhältnissen vor Ort machen, sagt Jäger. „Unterwegs aber erzählen mir die Menschen, wo der Schuh drückt.“ Und wo drückt er, der Schuh? Jäger seufzt. „Eigentlich fehlt es immer an Geld ...“

Die Minister-Delegation startete in Moers und fuhr dann via Rheinberg, Dinslaken und Hünxe bis nach Schermbeck. Am Nachmittag ging es weiter bis Wesel – heute steht der Kreis Kleve auf dem Programm. Unterwegs bekommt Jäger ständig neue Begleiter. An jeder Stadt- oder Gemeindegrenze nimmt ihn der jeweilige Bürgermeister in Empfang, um mit ihm gemeinsam zu ausgewählten Zielen zu strampeln. Am kräftigsten in die Pedale treten musste er mit Hünxes Bürgermeister Hermann Hansen, berichtet Jäger. Denn der war mit dem E-Bike gekommen.

Dagegen radelt Schermbecks erster Bürger Mike Rexforth ohne Motoren-Verstärkung. Als erstes Ziel hat er das Lühlerheim auserkoren, als zweites das Dorfgemeinschaftshaus – beides Paradebeispiele gemeindlichen Zusammenlebens. Jäger ist hochinteressiert. Im Lühlerheim erkundigt er sich ausgiebig nach den Angeboten und der Zufriedenheit der Bewohner, nimmt an einem Rundgang teil und lobt die Arbeit der Stiftung: „Das ist ein gutes Beispiel für stationäre Einrichtungen, gerade im Zuge des allgemeinen Trends zur ambulanten Betreuung.“ Später im Dorfgemeinschaftshaus staunt er über den Schermbecker Gemeinsinn, durch den der beliebte Treffpunkt überhaupt zustande kam: Mit 360 000 Euro (137 000 Euro aus dem Leader-Topf) hatten örtliche Vereine das Dorfgemeinschaftshaus bis 2013 in die Höhe gezogen. Einsatz: rund 4500 freiwillige Arbeitsstunden

Fazit? Er sei fasziniert vom ehrenamtlichen Engagement in den ländlichen Gebieten, sagt Minister Jäger. Hier achte man aufeinander, fühle sich verantwortlich und setze sich für gemeinsame Projekte ein – auch durch das engmaschige Vereinsnetz. Nur so bleibe man in Zeiten klammer öffentlicher Kassen handlungsfähig: „Wir müssen das Ehrenamt stärken und erhalten!“ Spricht’s und steigt wieder aufs Rad. Nächste Station ist Wesel. Ulrike Westkamp wartet schon.