Polizei Wesel setzt auf Pedelec-Sicherheitstraining

Die Polizeibeamten Andreas Piechaczek und Manfred Helmes erklären die Radfunktionen.
Die Polizeibeamten Andreas Piechaczek und Manfred Helmes erklären die Radfunktionen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Verkehrsunfälle, an denen Fahrräder mit Elektroantrieb beteiligt sind, nehmen immer mehr zu. Die Verursacher sind häufig über 80 Jahre alt. Deshalb bietet die Polizei ein Training für Senioren an.

Wesel..  Ein bisschen erinnert die Szene auf dem Schulhof der Gesamtschule „Am Lauerhaas“ an die Verkehrserziehung für Kinder: Leicht nervös sitzen die Radfahrer auf dem Drahtesel, warten ungeduldig, bis sie an der Reihe sind, um Hütchen zu passieren, Slalom zu fahren und an der richtigen Stelle zu bremsen.

Doch es sind keine Schüler, die hier versuchen, einen guten Eindruck bei der Polizei zu hinterlassen – sondern Senioren, die erste Fahrversuche auf ihrem Pedal Electric Cycle, kurz Pedelec oder auch Elektrofahrrad genannt, unternehmen.

Verursacher häufig über 80 Jahre alt

Denn der Umstand ist ernst: Im vergangenen Jahr – seitdem Unfälle mit Pedelecs unabhängig von Fahrrädern erfasst werden – verunglückten 38 Fahrer von Zweirädern mit Elektroantrieb im Kreis Wesel, zwei davon tödlich. In 34 Fällen waren die Radfahrer über 60, die meisten sogar deutlich über 80 Jahre alt.

Höchste Zeit also, den Umgang mit dem Elektrorad zu schulen, dachte sich die Kreispolizeibehörde Wesel und veranstaltet nun gemeinsam mit der Kreisverkehrswacht und der Kreisverwaltung ein Pedelec-Sicherheitstraining in allen 13 Kommunen des Kreises.

Polizei will neue Mobilität unterstützen

„Pedelecs sind per se nichts Problematisches“, erklärt Ansgar Müller, Landrat und Schirmherr der Aktion. „Wir wollen niemanden davon abhalten, mit Pedelecs zu fahren. Es ist etwas Tolles, sich bewegen zu können, wenn man nicht mehr ganz so fit ist. Wir wollen aber Sicherheit schaffen.“ Sicher fahren, das funktioniert allerdings nur, wenn Neulinge auch ein Gefühl für ihr unterstützendes Zweirad kriegen – für die neue Geschwindigkeit oder die neue Bremskraft.

Das geht bereits bei der Technik los. Pedelecs dürfen nicht schneller als 25 km/h fahren, ein 250 Watt starker Motor darf nicht überschritten werden. Eine Helmpflicht gibt es nicht, empfohlen wird der Schutz aber trotzdem. Denn dank Elektroantrieb steigt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Verletzungsgefahr. „Fit sein“, „Mitdenken“, „Augen offen halten“ – die Polizei mahnt zur erhöhten Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Generell gilt für Pedelecs das Gleiche wie für nicht-motorisierte Zweiräder: Ist ein Weg zum Beispiel für Fahrräder und Fußgänger gleichermaßen freigegeben, dürfen auch Pedelecs durch. Wenn es jedoch eng wird, raten die Beamten zum Absteigen. Ist ein Fahrradweg auf dem Bürgersteig ausgewiesen, ist das Fahren auf der Straße verboten.

Auch der Bußgeldkatalog greift beim elektrischen Rad: Wer ohne Licht fährt, zahlt 20 Euro. 60 Euro, zeigt die Ampel rot, wer das beim Bahnübergang missachtet, muss sogar mit einem Bußgeld von 350 Euro rechnen. Und auch das Handy am Ohr ist während der Fahrt verboten und wird mit 25 Euro geahndet.

Versicherungsschutz abklären!

Acht geben sollten Pedelecbesitzer auch bei der Haftpflicht. Weil das Gefährt als relativ neu gilt, schließen viele Versicherungen Unfälle mit dem Elektrorad nicht ein, eventuell muss der Versicherungsschutz aufgestockt werden.

In diesem Jahr zählte die Polizei bereits elf Unfälle mit Pedelecs im Kreis Wesel, darunter war auch ein 17-Jähriger. Dennoch halten viele das Fahren mit Unterstützung für einen Trend vor allem im hohen Alter. Deshalb sei es laut Polizei auch wichtig, genau dort anzusetzen.