Pointen im Sekundentakt

Wesel..  Ein kleiner pummeliger Sonnenschein und ein langer Miesepeter, die sich gegenseitig die Welt erklären – etwa so funktioniert das Konzept von Harald Funke und Jochen Rüther. Mit ihrem Programm „Scharf gemacht“ brachte das Kabarett-Duo damit im Bühnenhaus das Weseler Publikum zum Lachen.

Dass die Hansestadt von der Stimmung her „die Copacabana Deutschlands“ ist, stellten die beiden Münsteraner gleich zu Anfang an fest – die erste Pointe schon nach wenigen Sekunden, und in hoher Taktung ging es weiter. Zunächst waren es die Politiker, die ihr Fett weg bekamen, die Rollen der Kabarettisten waren ganz klar verteilt: Funke begeistert, Rüther verärgert. Ganz angetan schwärmte Funke von „Angie“, deren Magie ganz maßgeblich zum Erfolg bei der vergangenen Fußball-WM geführt habe und sang ein Loblied auf die Kanzlerin, doch Rüther schlug dazwischen: „Die Stimmung ist im Eimer – die Demokratie hat fertig!“ Schließlich liege die absolute Mehrheit bei den Nichtwählern – kein Wunder bei der Familienpolitik der CDU. Doch auch die SPD habe es geschafft, sich selbst zu halbieren. Die FDP habe nur dann noch Chancen in den Bundestag zu kommen, wenn der ADAC die Stimmen zählt und die Gewinner seien die „runzelärschigen Treppenliftfahrer von der AfD“, wetterte er.

Politik, Wirtschaft und Soziales – diese Themenfelder boten den Kabarettisten jede Menge Gesprächsstoff. Datenschutz – der sei ja kein Problem mehr, wusste Funke. „Angie persönlich“, habe das Thema schließlich für beendet erklärt. Rüther hingegen entwarf Horror-Szenarien vom gläsernen Bürger.

Lieder und Skizzen

Bei einem Thema allerdings waren sie sich einig: Elektro-Fahrräder, das seien „Rentner Drohnen“, behauptete Rüther und Funke stimmte zu: „Ja, man weiß, irgendwo werden sie aufschlagen.“ Ergänzt wurden die witzigen Dialoge mit passenden Songs. Auch wurde gezeichnet. Das Bild eines Weselers im Jahr 2050 etwa – 73 Jahre alt, „also kurz vor der Verrentung“, übergewichtig und ein bisschen durcheinander.

Abschließend wurden die beiden mit tosendem Applaus belohnt und durften noch eine Zugabe geben, bei der Rüther als Dressurpferd „Morgenröte“ über die Bühne trabte. Sein Programm war, kommentiert von Funke, die Geschichte Deutschlands – inklusive Schwierigkeiten: „Morgenröte versinkt im Spendensumpf“, auf-der-Stelle-Treten: Piaffen und Pirouetten, sowie der Ära Merkel: „Morgenröte bläht die Nüstern, hebt den Schwanz und kotet ab“ – doch für letzteres gab sich Rüther glücklicherweise nicht her.