Parkinson wird oft erst spät erkannt

Die Logopädin Christiane Maaß demonstrierte die transnasale Schluckendoskopie.
Die Logopädin Christiane Maaß demonstrierte die transnasale Schluckendoskopie.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Wenn das Rasieren oder Schminken schwer fällt und die Handschrift kleiner wird. Großes Interesse bei Info-Veranstaltung

Wesel..  „Die Parkinson-Krankheit hat es immer schon gegeben, aber aufgrund der Altersentwicklung tritt sie heute häufiger in Erscheinung“, erklärt Dr. Winfried Neukäter, Chefarzt der Abteilung für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Evangelischen Krankenhaus, die am Samstag ihr 40-jähriges Bestehen feierte. Passend zu diesem Jubiläum fand auch der Welt-Parkinson-Tag statt und so nutzten die Weseler Nervenspezialisten die Gelegenheit, die Öffentlichkeit mit Vorträgen über neue Therapien und Diagnostikmöglichkeiten zu informieren.

Ursache der von James Parkinson 1817 erstmals beschriebenen Krankheit ist ein Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Er ist maßgeblich für die Steuerung von Bewegungsabläufen verantwortlich. Warum es zu diesem Mangel kommt, ist nicht bekannt. Dementsprechend ist die Krankheit nicht heilbar. „Es gibt inzwischen aber sehr viele Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und auf diese Weise für mehr Lebensqualität zu sorgen“, so Neukäter.

Krankheit mit Humor nehmen

Wie notwendig das ist, macht nicht nur die Zahl von 200 bis 250 Parkinson-Patienten deutlich, die im Weseler Krankenhaus jährlich behandelt werden, sondern zeigte sich auch am Interesse der rund 150 Besucher. „Wir haben mit höchstens 50 Gästen gerechnet. Den geplanten Workshop zur Schluckdiagnostik mussten wir deshalb durch einen Vortrag zum Thema ersetzen“, sagte Krankenhaus-Sprecherin Eveline Klingler. Gut besucht war auch die Lesung des an Parkinson erkrankten Theologen Jürgen Mette am Tag zuvor. Er riet Betroffenen, die Krankheit mit Humor zu nehmen. Er selbst nennt sie „Herrn P.“ und bezeichnet diesen als einen unangenehmen, ungehobelten Burschen.

Einen tiefen Einblick in die Befindlichkeiten der Patienten gab Barbara Sonntag, Vorsitzende der deutschen Parkinson-Vereinigung. Sie las aus einem Gedichtband, in dem Menschen traurig-real das Leben mit der Krankheit beschreiben. Eine Krankheit, die schleichend beginnt und nicht sofort erkannt wird. „Es fängt beispielsweise damit an, dass der rechte Arm nicht mehr so richtig will. Bis dann die Diagnose Parkinson gestellt wird, vergehen oft Jahre“, so Patricia Karasch, Mitarbeiterin des Bio-Pharma-Unternehmens AbbVie.

Zittern nicht in jedem Fall

„Parkinson lässt sich nicht röntgen. Früherkennung beruht in erster Linie auf Beobachten und Zuhören“, sagte Dr. Peter Albrecht, Oberarzt der neurologischen Abteilung. Er rät Patienten dringend, mit dem Partner zum Arzt zu gehen, da der die Veränderungen am ehesten beschreiben kann.

Erste Anzeichen können sein: Schlafstörungen oder Beeinträchtigungen der Sinne und der Psyche. „Die Veränderungen beginnen oft einseitig an der linken Hand oder dem rechten Bein“, so Albrecht. Alltägliche Dinge wie Schminken oder Rasieren fallen plötzlich schwer, und manchmal lässt sich der Beginn der Krankheit auch an der Handschrift erkennen. „Das Schriftbild wird immer kleiner“, erläuterte Albrecht, der darauf verweist, dass das typische Zittern der Hände zwar häufig, aber längst nicht bei jedem Patienten vorkommt.