Notfalls auf die Barrikaden gehen

Ein Güterzug fährt in Wesel durch den Bahnhof.
Ein Güterzug fährt in Wesel durch den Bahnhof.
Foto: NRZ
Gert Bork von der Bürgerinitiative „Betuwe - so nicht!“ spricht vor dem NRZ-Forum über die jetzige Situation an der Güterstrecke.

Wesel..  Gert Bork ist sauer auf die Bahn. Der Sprecher der Weseler Bürgerinitiative (BI) „Betuwe - so nicht!“ kann nicht verstehen, dass die Betuwe-Anlieger zwar zum konstruktiven Dialog aufgefordert werden, aber entsprechende Vorschläge von vornherein keine Chance bekommen. Deshalb gibt es für den Feldmarker nur noch eine Möglichkeit, dass die Menschen an der Bahnstrecke zu ihrem Recht kommen: den Klageweg. Bork spricht sogar von einer Klagewelle, die auf die Bahn zukommt, wenn sie nicht einlenkt. Man habe gute Rechtsanwälte, die zum Teil bereits in Bochum, Magdeburg und Oldenburg viel erreicht hätten. Die Urteile der Gerichte seien häufig im Sinne der Bürger ausgefallen.

Lücken im Lärmschutz

Denn die Bahn setze nur das um, was sie müsse, handele nach eigenen Angaben nach Recht und Gesetz. Dass dies durchaus auch großzügiger ausgelegt werden könne, störe sie nicht. Beispiel Blumenkamp. Dort fehlen laut Plan demnächst 300 Meter Lärmschutz. Beispiel „Am Blaufuß“. Hier gibt es dann zwei Lücken von nur wenigen Metern in der Schallschutzwand. „Man versucht, gegen die Anwohner zu handeln“, sagt Gert Bork. Dabei favorisiere man Billiglösungen aus Beton und Aluminium. Gute Vorschläge, die die Stadt Wesel in Sachen Lärmschutz gemacht habe, würden nur zur Kenntnis genommen.

Dass der Erörterungstermin mit den Einwendern wohl erst 2016 zustande komme, liege an der Vielzahl der Bürger, die von ihrem Recht Gebrauch gemacht hätten.

180 bis 200 Züge rattern zurzeit täglich an Wesel vorbei, lediglich sonntags seien es weniger. Der Plan sieht noch 100 Güterzüge mehr vor, die meisten nachts, weil Fahrpläne sonst nicht mehr einzuhalten seien. Dass Lärm gesundheitsschädlich ist, hätten Studien längst bewiesen. Und so werde man sich wohl auf Artikel 2 Absatz 2 des Grundgesetzes berufen: auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Dass die zwölf Kilometer lange Lärmschutzwand, die Wesel demnächst durchziehen soll, „städtebaulich eine Katastrophe“ ist, steht für Bork außer Frage. Doch Schallschutz im Gleis komme für die Bahn ja nicht in Frage. Und so wird Wesel wie vielleicht auch Bamberg, dessen Altstadt Weltkulturerbe ist, mit den hässlichen Trennwänden leben müssen.

Bork selbst, der in der Feldmark etwa 20 Meter von den Gleisen entfernt wohnt, erhält von der Bahn zwar Schallschutzfenster, allerdings nur auf der der Bahn zugewandten Seite und am Giebel. Dass der Lärm auf der anderen Hausseite deutlich stärker ist, weil der Schall von einem anderen Gebäude wieder zurückkommt, spiele da keine Rolle – auch wenn die Bahn dies genau wisse.

Keine Entschädigungen

Was den Vorsitzenden der BI besonders wurmt, ist der Unterschied zwischen dem, was in den Niederlanden entlang der Betuwe und was bei uns läuft. Sowohl in Sachen Sicherheit als auch beim Lärmschutz sei dort alles prima. Zudem gebe es für Eigentümer großzügige Entschädigungen mit Blick auf die Wertminderung der Immobilien. Notfalls müsse man am Niederrhein auf die Barrikaden gehen, so wie bei Stuttgart 21. In Rüdesheim habe man vor zwei Jahren einen Bahnübergang besetzt.

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