Niederländer hoffen auf den Ausbau

Auch auf dem Streckenabschnitt zwischen Wesel und Emmerich ist ein drittes Gleis geplant.
Auch auf dem Streckenabschnitt zwischen Wesel und Emmerich ist ein drittes Gleis geplant.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Gemeinsam mit der Deutschen Bahn informierte „ProRail“ Journalisten aus dem Nachbarland über die Fortschritte beim dritten Gleis der Betuwe-Route.

Wesel..  Zum Stand des Ausbaus der Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen, die vor allem den Häfen in Amsterdam und Rotterdam zu Gute kommt, hatte das niederländische Unternehmen für Eisenbahninfrastruktur „ProRail“ Medienvertreter zum Informationstag nach Wesel eingeladen. Recht verwundert schauten rund ein Dutzend Journalisten aus den Niederlanden und Belgien, als DB-Projektleiter Stefan Ventzke über die Abläufe in den aufwendigen deutschen Planfeststellungsverfahren informierte, die sich teils über viele Jahre hinziehen.

„Wo stehen wir denn aktuell?“, fragten die Reporter überrascht, weil man im Nachbarland offenbar sehnsüchtig darauf hofft, dass das dritte Gleis schnellstmöglich realisiert wird.

Der Zeitpunkt war sicher mit Bedacht gewählt, denn seit dieser Woche laufen erste vorbereitende Maßnahmen für den Streckenausbau zwischen dem niederländischen Zevenaar und Oberhausen.

„Wir legen schon los“, teilte Ventzke gleich zu Beginn mit. Danach holte er aus: „Warum das Ganze?“, fragte er und hatte die Antwort parat: „Zur Stärkung des Güterverkehrs. Die Anwohner sehen oft nur mehr Lärm, mehr Dreck und mehr Gefahr. Sie haben aber auch Vorteile vom Ausbau: Für die Wirtschaft in der Region ist dies ein ganz wichtiger Effekt.“

Ventzke rechnete vor, dass von den 186 Güterzügen pro Tag 59 in der Region blieben, was die Logistik-Standorte Duisburg und Oberhausen stärke.

Bedenken von Bürgerinitiativen gegen die Ausbaupläne sind auch bis in die Niederlande vorgedrungen. So wollte ein Reporter aus dem Nachbarland vom deutschen Projektleiter wissen, ob man sich in punkto Sicherheit mittlerweile geeinigt habe. Ventzke verwies auf Richtlinien, die sich in Deutschland von denen in den Niederlanden unterscheiden, und die natürlich eingehalten würden. Durch die Beseitigung aller 55 Bahnübergänge, die eine wesentliche Unfallquelle darstellten, sowie 38 Über- und Unterführungen werde die Sicherheit erhöht, so Ventzke.

Für die „ProRail“ ergriff der Verbindungsmann der Arbeitsgruppe „drittes Gleis Deutschland“, Rick van Haaren, das Wort: Langfristig führe der Ausbau zur Entlastung der Brabantroute über Venlo/Kaldenkirchen sowie der nördlichen Route über Oldenzaal/Bad Bentheim.

Der Manager zeigte auf, wie sich das Güterzugaufkommen entwickelt: Waren es 2004 knapp 10 000 Züge, die die Grenze bei Zevenaar in Richtung Deutschland passierten, lag die Zahl im vergangenen Jahr bereits bei etwa 28 000. Wegen Baumaßnahmen liegt die Prognose für die nächsten Jahre zwar darunter, für 2023 sind jedoch knapp 40 000 Güterzüge vorhergesagt.

Am Montag hat die erste Bauphase für die Umstellung des Stromsystems begonnen. Zehn Wochen lang kann die Strecke zwischen Emmerich und der niederländischen Grenze nur einspurig befahren werden, was natürlich Auswirkungen auf die gesamte Strecke hat. Grund für die Teilsperrung sind vorbereitende Baumaßnahmen: Die künftigen Maststandorte für Oberleitungen werden eingemessen, Kampfmittel- sowie Bodensondierungen und Vorschachtarbeiten durchgeführt.

Die Umstellung ermöglicht es künftig, dass Züge aus den Niederlanden das Stromsystem nur noch einmal wechseln müssen, was den grenzüberschreitenden Verkehr erleichtert. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Zevenaar und Emmerich fahren die Züge derzeit noch mit Gleichstrom. Nach der Umstellung soll auch hier mit Wechselstrom gefahren werden. Für die Anpassungen werden die Oberleitungen neu gebaut. Diese Hauptarbeiten sind ab Oktober 2015 geplant.