Nichts geht mehr

Einwerfen kann man die Post auch hier in den Kasten jederzeit. Wann der Brief ankommt, ist allerdings eine andere Frage.
Einwerfen kann man die Post auch hier in den Kasten jederzeit. Wann der Brief ankommt, ist allerdings eine andere Frage.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Der Weseler Unternehmer Jochen Hübers hat seit drei Wochen keinen einzigen Brief mehr bekommen. Das Modehaus Haffke ärgert sich über 2500 Euro sinnloses Porto

Kreis Wesel..  Bei der Farbe Gelb sieht so mancher zurzeit Rot. „Wir haben seit drei Wochen keinen einzigen Brief mehr bekommen.“ Darüber ärgert sich Jochen Hübers nicht als Privatmann, sondern als Inhaber der Firma „m.hübers“, die sich einen Namen bei der Wartung von Schwimmbädern gemacht hat. Seit die Post streikt, hat das Weseler Unternehmen mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen. Zum Beispiel damit, dass Hübers neulich nichts von seinem Glück wusste, dass er einen neuen Kunden hat. „Da bekomme ich dann einen Anruf mit der Frage, ob wir den Auftrag nicht wollen.“

Auch Karl-Heinz Haffke spürt die Konsequenzen der streikenden Zusteller in seinem Modehaus. Denn der größte Teil der lange vorbereiteten Werbebriefaktion vom 19. Juni hat die Kunden nicht erreicht. „Mehr als 7000 Schreiben wurden gedruckt, gefaltet, kuvertiert und dann im guten Glauben an die pünktliche Auslieferung der Post zum Austragen übergeben“, sagt Karl-Heinz Haffke. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter hätten sich mit den Kundenbriefen beschäftigt, 2500 Euro Porto investiert das Unternehmen in die Aktion. Das bittere Fazit von Haffke: „Durch den Poststreik ist uns ein nicht unerheblicher Schaden entstanden. Die vergleichbaren Umsätze zum Vorjahr sind weit hinter unseren Erwartungen zurück geblieben.“

Der Kurier-Blitz freut sich

Der Unternehmer Jochen Hübers hat aus seiner schlechten Erfahrung mit der Post Konsequenzen gezogen. „Ich habe Kontak mit Kurier-Blitz aufgenommen.“ Die private Briefbeförderungsfirma aus Bocholt soll für Hübers nicht nur die Zeit des Streiks überbrücken, sondern voraussichtlich auch langfristig einen ordentlichen Batzen vom Briefgeschäft der Bäderwartungsfirma abbekommen. „Ich komme an der gelben Post zwar nicht ganz vorbei, aber die Adressen im regionalen Postleitzahlenbereich könnte Kurier-Blitz übernehmen.“ Was Jochen Hübers bei der ganzen Streikgeschichte nicht versteht, ist vor allem eines: „Die Post erzählt die ganze Zeit, dass die Briefe trotz des Streiks rausgehen. Davon merke ich gar nichts.“

Dieter Pietruck von der Pressestelle der Post hält dennoch an der Aussage fest: „Auch in Wesel wird die Masse der Sendungen zugestellt. 80 Prozent aller Briefe und Pakete kommen an – auch wenn das zurzeit von vielen angezweifelt wird.“ Das hätte die Post anhand der „Scan-Daten“ schwarz auf weiß.

Allerdings, so Pietruck, könne nicht in allen Zustellbereichen Ersatzpersonal eingesetzt werden. „Das kann einfach nicht jeder machen, dafür brauchen Sie qualifiziertes Personal.“ Und davon gibt es im „Aushilfspool“ zurzeit zu wenig. „Wir hoffen, dass es jetzt durch die Sommerferien wieder etwas besser wird, wenn die Studenten, die uns sonst beim Weihnachtsgeschäft unterstützen, wieder mehr Zeit haben.“

Es gibt allerdings auch Menschen, die den Poststreik prima finden. Frank Roth, der die Logistik von „Kurier-Blitz“ leitet, kann sich zurzeit über zu wenig Arbeit nicht beklagen. Für die Bocholter Firma, die auch in Wesel, Schermbeck oder Hünxe die Post zustellt, ist der Streik der großen Konkurrenz eine Goldgrube. „Bei uns steht das Telefon nicht still“, sagt Roth. „Wenn das so weiter geht, dann können wir bald neue Mitarbeiter einstellen.“