Neues Leben Am Friedenswäldchen

Ein Haus mit Geschichte - gründlich sanierungsbedürftig, aber mit vielen Möglichkeiten. Es soll wieder mit Leben gefüllt werden.Fotos:Gerd Hermann
Ein Haus mit Geschichte - gründlich sanierungsbedürftig, aber mit vielen Möglichkeiten. Es soll wieder mit Leben gefüllt werden.Fotos:Gerd Hermann
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Investor Herbert Heißing saniert Saal und Umgebung. Für das Haupthaus sucht er Interessenten, die sich längerfristig hier niederlassen wollen. Es wartet viel Arbeit, doch das Flair hat es ihm angetan

Wesel..  Mancher Walzer ist in diesem Saal getanzt, etliche Gläser sind geleert und die ein oder andere Ehe hat sich hier schüchtern angebahnt: Seit Jahren schon steht der Saal von Haus Waldhof, fast ein Jahrhundert lang als Haus „Am Friedenswäldchen“ bekannt, leer. Und obwohl inzwischen von Baustellenaktivitäten umgeben, atmet die hohe Festhalle mit ihren Säulen, Bögen und schönen Fenstern des späten Jugendstils noch die Atmosphäre längst vergangener Krönungsbälle.

Verblichene Pracht

Herbert Heißing, Inhaber und Geschäftsführer der Firma ATS und daher eigentlich eher der Mann für Reifen und Autozubehör, hat das ehemalige Restaurant samt Saal und - von ihm ungeliebt - regenfeuchter Kegelbahn im vergangenen August ersteigert. Eigentlich war es der Saal, der es dem 50-jährigen Unternehmer angetan hat. Er will die verblichene, denkmalgeschützte Pracht wieder hervorbringen und hat sich damit ein kostspieliges Stück Arbeit vorgenommen. Mehrfach hatte das Amtsgericht vergeblich versucht, Haus und Saal samt Kegelbahn zu versteigern. Niemand wollte. Heißing schon.

Das war im August 2014, jetzt macht sich Heißing an die Umsetzung. Im Hauptgebäude, dem ehemaligen jugoslawischen Restaurant, hat ein Feuer vor Jahren die alte Treppe zerstört und viel vernichtet. Ohnehin ist vom ehemals prunkvollen Gebäude wenig übrig. Immerhin die schöne alte Haustür, obschon lieblos mit Brettern geflickt. Modernisierungen haben viel Substanz zerstört, Kunststofffenster und gewollt-mediterrane Bögen lassen die Geschichte des Hauses vergessen.

Größtes Ärgernis für Herbert Heißing ist die Kegelbahn, „der Putenstall“, wie er es nennt. Nie genutzt, unharmonisch an den Hauptbau geklebt, unbrauchbar und undicht. Ein Riesenschlauch, „am besten müsste man ihn abbrechen“, sagt er. Es gebe eine Baugenehmigung für 15 Hotelzimmer über dem „Putenstall“, doch offenbar fehlte das Kleingeld, sie zu bauen.

All das sind Baustellen, die Heißing erstmal vertagt. Derzeit steckt er alle Energie in den Saal, hat das Außengelände mit Baggern räumen lassen, fährt Bauschutt ab, den andere Generationen dort schlicht vergraben haben. „Das war früher einfach so üblich“, sagt er. Wie geht es weiter im Bau am Friedenswäldchen?

„Der Saal hat Flair. Wenn er saniert ist, soll er ohne Catering und Getränke vermietet werden“, erläutert der Unternehmer seine ersten Pläne. Er ist kein Gastronom und nicht dumm genug, es als Laie versuchen zu wollen. Und da ist ja auch noch die Firma, die ihn fordert. 200 Gäste genehmigt der Brandschutz im Saal. Und Heißing lässt seiner Phantasie freien Lauf. „Mottoparties der 60er Jahre oder der Jahrhundertwende“ könnten hier steigen. Der Biergarten an der Rückseite zum Verweilen unter den Platanen einladen. Ein kleiner Pavillon neben dem Saal könnte Kaffee und Würstchen beispielsweise für Lkw-Fahrer anbieten.

Und das Haupthaus, soll es wieder Gastronomie werden? „Ich suche jemanden, der es dauerhaft mieten will. Dann nehme ich auch das Geld in die Hand, es zu sanieren.“ Wenig wird das nicht sein. Eine Galerie könne er sich vorstellen. Gastronomie - schon. „Aber Gastronomie muss man leben, das ist hoher persönlicher Einsatz“, sagt er. Findet er so jemanden, wäre er dabei. Solvent müsste er sein, damit sich das Projekt Waldhof nicht zum Fiasko entwickelt. Die Lage an der Lebensader B58 ist ein Plus, viele Geschäftsmodelle wären hier denkbar.

Doch das ist Zukunftsmusik. Erstmal der Saal. Die Fenster werden ersetzt, doch die modernen müssen genau so aussehen wie die historischen, das schreibt der Denkmalschutz vor. Das gleiche Grün muss es auch sein. Heißing stört das nicht. „Ich möchte etwas Nachhaltiges hier schaffen“, sagt er. Für seine Kinder vielleicht, die Zwillinge sind 14, ein Junge und ein Mädchen. Den Waldhof gibt es bereits mehr als 100 Jahre, es soll ihn noch ein paar weitere Jahrzehnte geben. Ob der „Putenstall“, die Bausünde Kegelbahn, in dieser Zukunft eine Rolle spielt? Eher fraglich.