Neuer Lebensraum für die Knoblauchkröte

Eine junge Knoblauchkröte.
Eine junge Knoblauchkröte.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Vier neue Laichgewässer sollen in den Lippeauen entstehen. Der Bestand der Amphibien ist rückläufig

Schermbeck..  Sie ist nur rund sechs Zentimeter groß, und selten bekommt jemand so ein Tierchen überhaupt zu Gesicht: Die scheue Knoblauchkröte. Ein Grund dafür ist, dass sich die kleine Amphibie mit ihren kräftigen Hinterbeinen - sie gehört zur Gattung der Schaufelfußkröten - gern vergräbt und in ihrem sicheren Versteck den Tag verbringt. Ein anderer ist aber, dass sie immer seltener vorkommt. Das macht den Naturschützern Sorgen. Noch in diesem Jahr sollen deshalb im Naturschutzgebiet Lippeaue bei Schermbeck-Damm und -Bricht vier neue Gewässer angelegt werden, damit die heimische Art ideale Bedingungen für ihr Überleben vorfindet.

Gefährdeter Bestand

Wie die Biologische Station des Kreises Wesel mitteilt, hat ein Runder Tisch, an dem Fachleute der Bezirksregierung Düsseldorf, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, des Kreises Wesel und einige heimische Artenkenner teilnahmen, sich mit dem Bestand befasst.

Und der ist gefährdet. Ohnehin gab es in den vergangenen Jahren nur noch einige wenige Standorte im Kreis Wesel, an denen die selten gewordene Amphibien-Art nachgewiesen werden konnte. Im vergangenen Jahr wurde ihr als in NRW vom Aussterben bedrohte Art daher ein gesondertes Projekt gewidmet: 30 potenziell geeignete Laichgewässer der Knoblauchkröte wurden auf ihre Vorkommen dort untersucht.

Anders als früher musste zu diesem Zweck niemand mit dem Kescher oder mit Wasserfallen in den Teichen suchen. Die Wissenschaftler haben die neue so genannte „Environmental DNA-Technik“, kurz EDNA-Technik, angewendet.

Bei dieser Methode genügt eine Wasserprobe, die in einem niederländischen Labor auf die darin befindlichen DNA-Spuren untersucht wurde. „Die Technik ist noch so neu, dass es bei uns gar keine Labore dafür gibt“, erläutert Projektleiterin Johanna Siewers. Das Ergebnis war ernüchternd: Die noch im Jahr 2013 im Naturschutzgebiet Lippeaue gemeldeten Knoblauchkröten konnten dort im Juni vergangenen Jahres nicht mehr nachgewiesen werden. Die Fachleute vermuten, dass die Tiere nicht verschwunden sind. Sie leben von der Feuchtigkeit, und das Frühjahr 2014 war arm an Regen. So seien die Kröten vermutlich in ihren Verstecken im Boden geblieben.

Es gilt also, die Bedingungen für die Tiere zu verbessern. Laut Projektleiterin Johanna Siewers sind erste Voruntersuchungen abgeschlossen worden.

Die vier geplanten Laichgewässer werden rund 60 000 Euro kosten. Fördermittel beim Land sind beantragt. Außerdem sind die NRW-Stiftung und der Kreises Wesel im Boot. Knoblauchkröten wandern nicht gern, erläutert Siewers. Daher sollen nun flache, kleinere Gewässer in der Nähe der Stammgewässer entstehen. „Sie müssen sich schnell erwärmen und vegetationsreich sein“, so die Fachfrau. Baggerseen seien häufig ungeeignet, Auelandschaften, die mitunter überschwemmt werden, ideal. Diese Aktivitäten sollen den Bestand der Knoblauchkröte auf längere Sicht sicher stellen. Außerdem kommen sie auch zahlreichen anderen Tierarten zugute, so die Biologische Station.

Klopfen unter Wasser

Übrigens riecht die Knoblauchkröte nicht. Nur wenn das Tier erschreckt wird und es sich unmittelbar bedroht fühlt, kann es über die Haut den intensiven Geruch ausströmen, der an Knoblauch erinnert. Das gehört zum Abwehrmechanismus. Aktiv werden die kleinen Tiere lediglich in der Paarungszeit. Dann ruft „er“ . „Leider nur unter Wasser“, sagt Siewers. „Das klingt wie ein Klopfen“. Man muss sich viel Mühe geben, um eine Knoblauchkröte wahrzunehmen.