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Napoleons Feiertage am Rhein

02.11.2011 | 18:35 Uhr
Napoleons Feiertage am Rhein
Besucher lauschten den zeitgenössischen Ausführungen der Gruppe „Facing the Past“: hier des Gendarms Josef Bertha. Markus Joosten / WAZ FotoPool

Wesel.   Das Preußen-Museum erinnerte am 1. November an den Aufenthalt des Imperators genau 200 Jahre zuvor

Napoleon wollte sich huldigen lassen. Und Wesel tat ihm den Gefallen, als der stolze Kaiser einen Tag in der Stadt verbrachte, die er drei Jahre zuvor in sein Reich eingezogen hatte. Die Menschen auf den Straßen der Hansestadt aber waren sich unsicher, wem sie da begegneten. Napoleon Bonaparte war damals, 1811, einerseits der mächtigste Mann der Welt. Und er zeigte es gerne. Doch er gab den Menschen im Rheinbund auch Freiheiten, die sie bis dahin nicht kannten. Am Dienstag erinnerte das Preußen-Museum mit der zeitgenössisch verkleideten Gruppe „Facing the Past“ an des Kaisers Besuch am 1. November vor 200 Jahren.

Die Errungenschaften der Französischen Revolution hielt Bonaparte in einem Gesetzestext fest, dem „Code Napoléon“, der in seiner deutschen Übersetzung auch im Preußen-Museum ausliegt: die Gleichheit aller vor dem Gesetz, den Schutz und die Freiheit des Einzelnen und seines Eigentums. Napoleon befreite die Bauern und schuf Möglichkeiten für den Handel, die bis wenige Jahre zuvor undenkbar schienen.

Audienz beim Kaiser
war wenig beliebt

Einem solchen Staatsoberhaupt jubeln die Menschen eigentlich gerne zu – und die Weseler wussten die neuen Vorzüge durchaus zu schätzen. Aber in der Hansestadt musste des Kaisers Innenminister den „süßen Taumel“ der Freude trotzdem erst verordnen: „Vive l’Empereur!“, rief das Volk auf den Straßen. Wesels Bürgermeister Johann Hermann Westermann aber hatte größte Mühe die 25 angesehensten Bürger der Stadt für die angesetzte Audienz zu begeistern.

Napoleons Kriege waren teuer, erklärte Helmut Langhoff, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Preußen-Museum: „Die Steuerschraube wurde immer weiter angedreht.“ Dank der nun geltenden allgemeinen Wehrpflicht wurden die Männer eingezogen. Und die rheinischen Soldaten marschierten für den französischen Kaiser bis nach Moskau.

Vor allem aber hatte Napoleon erst zwei Jahre zuvor in der Hansestadt ein kaiserliches Exempel statuieren lassen: er ließ die elf Schill-Offiziere, die in Stralsund in Gefangenschaft geraten waren, öffentlich hinrichten. Die Weseler hatten diese Machtdemonstration noch nicht vergessen.

Johann Zaremba allerdings, der zwölfte der Offiziere, der seiner Hinrichtung entging, aber in Wesel in Gefangenschaft blieb, wurde von Napoleon bei dessen Besuch in der Hansestadt freigesprochen – mit 49 anderen ausgewählten Gefangenen. „Es gehörte zur Aura eines Kaisers nicht nur Macht, sondern auch Milde zu zeigen“, erklärte Langhoff über den Akt der Gnade.

Der Kaiser wollte sich feiern lassen. Zuvor wurde ihm zu Ehren in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt eine Messe gehalten. Aus Pappmaschee hatten ihm die Bürger der Stadt einen mit Blumen verzierten Triumphbogen gebaut. Und nach einem großen Feuerwerk am Abend wurde für ihn ein Ball veranstaltet. Napoleon aber kam nicht. Der launische Kaiser reiste am Morgen des 2. November weiter nach Düsseldorf, das Volk dort sollte ihm huldigen.

Florian Bickmeyer

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