Modelleisenbahn? Das ist nichts mehr für Kinder

Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma

Wesel..  Zu einer wichtigen Adresse für Modellbauer und Spielzeugsammler wurde die Niederrheinhalle am Sonntag. Vor allem Modelleisenbahner konnten hier fündig werden, denn fast alle der 52 Stände auf „Jomo’s Modelleisenbahn- und Spielzeugmarkt“ waren ihrem Hobby gewidmet.

Neben dem kleinformatigen Schienenverkehr, bei dem es durchaus um den Spielspaß geht, wecken Modellautos eher das Interesse der Sammler. „Der eine will alles von Opel haben, der nächste sammelt nur im Maßstab 1:18, und wieder der nächste sammelt nur amerikanische Modelle“, weiß Detlef Pesch, der hier Teile seiner Sammlung verkauft, um sie später mit dem Gewinn wieder zu erweitern. Rund ein Drittel vor Ort sind Privatverkäufer.

Abgesehen von Modelleisenbahnen und -autos ist das Angebot bescheiden. Nur vereinzelt finden sich auch Duplo, Lego und Playmobil. Fast ebenso rar sind Kinder: Das Bild wird geprägt von erwachsenen Männern der Generation Ü40.

Fachgeschäfte sterben aus

Marktveranstalter Joachim Eilers findet dafür klare Worte: „Die Kinder haben keine Fantasie mehr. Sie spielen nicht mehr selbst und haben keine Kreativität, sie sitzen am Computer. Das ist aber nicht ihre Schuld, sie werden nicht richtig herangeführt. Das ist der Fehler der Eltern.“

Frank Müller, An- und Verkäufer von Modelleisenbahnen, sieht die Schuld bei den Herstellern: „Jahrelang haben die Firmen Sammler bevorzugt und das Angebot für die Jugend vernachlässigt.“ Die Folge sei nun, dass Fachgeschäfte aussterben.

Nach wie vor sind Modelleisenbahnen ein teures Hobby. Ein Starter-Set mit Zug, Schienen und Steuerung gibt es gebraucht ab etwa 100 Euro. Neu kostet es zwei- bis dreimal so viel. Frank Müller stellt schon erste Veränderungen fest und prognostiziert keine blühende Zukunft: „Früher war ich froh, wenn ich mal eine komplette Sammlung angeboten bekam. Heute bekomme ich ständig solche Angebote und kann nicht mehr alle annehmen, weil ich es auch nicht mehr verkaufen kann.“

Weniger Nachwuchs bedeutet weniger Nachfrage. Gleichzeitig schwemmen ganze Sammlungen, vor allem aus Nachlässen, auf den Markt. Der Preis verfällt. Freuen darüber können sich wohl nur jene, die nach wie vor Freude an dem Hobby haben, da sie ihre Sammlungen günstig erweitern können.

Thomas Goris aus Wesel ist mit dem Ziel gekommen, ein Schnäppchen zu machen. Wie die meisten Modelleisenbahner wurde der 45-Jährige schon als Kind für das Hobby begeistert. „Ich hatte eine Eisenbahn und habe damit gespielt, bis ich ungefähr zehn war. Dann gab es noch mal ein kurzes Aufflammen mit 25, und nach 15 Jahren Pause fange ich jetzt wieder an“, erzählt er. Für ihn ist es ein Ausgleich zum Alltag. Vor allem die Landschaftsgestaltung seiner Miniaturwelt bereitet ihm Freude.Auch Hartmut Schaafs (49) hatte als Kind eine Eisenbahn. Zwar hat er das Hobby aufgegeben, versucht aber, Sohn Leon (12) dafür zu begeistern. Aus Krefeld waren die beiden zum Spielzeugmarkt angereist.