Mit dem Aschekreuz beginnt eine Chance

Fasten bedeutet für viele Verzicht: auf Süßigkeiten, Alkohol oder das Rauchen.
Fasten bedeutet für viele Verzicht: auf Süßigkeiten, Alkohol oder das Rauchen.
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Was wir bereits wissen
Für viele heißt Fasten Abspecken, aber eigentlich geht es um mehr: Um das Hinterfragen bestimmter Gewohnheiten und das Ausprobieren von Alternativen.

Wesel..  „Wir wollen das beibehalten. Das gehört zum Dorf“, sagt Karl-Wilhelm Schweden, Grundschulrektor in Büderich. Und so fährt er heute Morgen „mit der ganzen Schule“ zur Kirche, wo seine Schülerinnen und Schüler ihr Aschekreuz erhalten. Pfarrer Georg Zglinnicki hat dafür die Palmstöcke des letztjährigen Osterfestes verbrannt. Das ist mehr als ein Brauch. Es bedeutet den Aufbruch in die Fastenzeit, die auch manchem Schüler gut täte.

Nicht allein, um den Pommes- und Cola-Konsum einzudämmen. Die Zeit vom heutigen Aschermittwoch bis Ostern biete die gute Gelegenheit, über das eigene Leben nachzudenken, sagt Marc Heilenkötter, Kaplan von St. Nikolaus. Nicht einfach nur Verzicht bedeutet das, sondern sich mal die Frage zu stellen, ob der permanente Umgang mit dem Smartphone einen nicht von anderen, wichtigen Dingen abhält. Davon, andere Menschen wahrzunehmen, ihnen zuzuhören, Gesprächspartner für sie zu sein. Eine Bekannte von ihm testet, ob sie ohne Fernsehen auskommt und was die fernsehfreie Zeit ihr und anderen bringt.

Gegen den „inneren Schweinehund“

So betrachtet ist das Fasten nicht nur das Austesten eigener Standhaftigkeit im Kampf mit dem „inneren Schweinehund“ - manchmal unterstützt durch eine Wette. „Bewusst anders leben“ im Sinne des Evangeliums, den Kurs korrigieren, nicht nur unterlassen, sondern stattdessen für sich und andere Wertvolles tun - das kann den 40 Tagen bis Ostern einen tieferen Sinn geben.

Ähnlich ist das mit der Ernährung. Mal keinen Alkohol, keine Zigaretten, keine Süßigkeiten - das ist für manche Härtetest und Alibi zugleich, um danach ruhigen Gewissens wieder zu „sündigen“. Auch hier bestehe die Chance der bewussten Selbsterfahrung, sagt Mechtild Lacher-Lehmann, Leiterin des Pro-homine-Gesundheitszentrums an der Pastor-Janßen-Straße. Man kann Alternativen ausprobieren, mit denen man sich gesünder und „fitter“ fühlt.

Zu zweit geht’s leichter

Vor Radikalkuren („gar nichts essen“) warnt sie. „Der Körper braucht bestimmte Nährstoffe.“ Daher solle man einen Einstieg ins Fasten nicht ohne fachliche Begleitung unternehmen.

In Wesel und Umgebung gibt es dazu Angebote, unter anderen auch vom Haus der Gesundheit (siehe Box). Das mit der Begleitung gilt auch in anderer Hinsicht: Wenn der Partner oder die Partnerin, Arbeitskollege oder -kollegin parallel mit fasten, fällt es in der Regel leichter.

Verschiedene Formen des Fastens gibt es. Das Gesundheitszentrum bietet Basenfasten als „Frühjahrsputz für den Körper“ an. Beim Vorbereitungstreffen heute um 20 Uhr kann man sich dort über die bis zum 4. März dauernde begleitete Fastenwoche informieren.