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Mit 400 PS übers Feld

28.09.2008 | 20:18 Uhr

TRECKER-TRECK. 100 Meter und ein schwerer Bremswagen. Ruhm und Beifall ernteten die Fahrer, die in Marienthal bei den Endläufen der Niederrheinmeisterschaft an den Start gingen.

Mächtig viel Rauch stieg aus dem Auspuff, als Stefan Fenneken beim Trecker-Treck an den Start ging. (Fotos: Gerd Hermann)

HAMMINKELN. Marco Gernemanns Hinterräder graben sich in den Boden und voran. Nicht schnell. Aber unwiderstehlich. Der Trecker des Wertherbruchers arbeitet. Es ist Erntezeit. Aber auf dem Marienthaler Hof Kleine-Besten wurden am Wochenende kein Getreide und keine Kartoffeln eingefahren. Ruhm und Beifall wollten die Konkurrenten beim 4. Brüner Trecker Treck und den Endläufen der Niederrhein-/Westfalenmeisterschaft ernten (der Trecker Treck ist zugleich Qualifikation für deren Endläufe nächstes Jahr).

Kein Pflug hängt an Gernemanns Trecker, sondern der riesige, Tonnen schwere, Bremswagen. Ein Gewichtsblock darauf verschiebt sich immer weiter nach vorn und steigert den Widerstand noch. Oben am Wagen zeigt eine Tafel, dezimetergenau, den Fortschritt auf der 100 Meter langen Strecke an. Marco Gernemann zieht's durch, gibt Gas; hält die Bewegung. 97, ist zu lesen, 98, 99, und dann, unter dem Zielbanner: "FP!" - das höchste der Gefühle.

Der erste Full Pull

"Der erste Full Pull!", schallt die Stimme von Moderator Mike Bielefeld aus dem Team Terhart (das neben dem Veranstalter, der Brüner Landjugend, als Organisator fungiert) aus Boxen über die Fläche. Und Gernemann spekuliert am Mikro von Co-Moderator Mark Heßling: "Das lag bestimmt nur an der Farbe" - seines beinahe Ferrari-roten Treckers. Oder vielleicht doch eher an der optimalen Strategie. "Man muss die Kraft auf den Boden bekommen", weiß Landjugend-Vorsitzender Matthias Kremer. Allerlei Gewichtsplatten ziehen die starken Maschinen runter und sorgen dafür. Über deren Verteilung und die Fahrweise "hat aber jeder seine eigene Philosophie", meint Kremer.

Den schon am Samstagnachmittag immer zahlreicher werdenden Zuschauern an den Absperrungen am Rand der Piste bot das zum angeregten Fachsimpeln viel Gelegenheit.

"Deutz", sagt Niko Neuenhaus nur. "Nee, John Deere", kontert André Sommer. Nicht nur für die beiden 14-jährigen "Experten" aus Brünen und Töven eine gute Frage - wer denn eigentlich die besten Treck-Trecker baut. "Man darf es auch nicht zu schnell angehen, sonst greifen die Räder nicht", sagt Niko mit fachmännischem Blick auf die Fahrer.

"Immer Vollgas"

"Nöh, so langsam braucht es nicht zu sein. Immer Vollgas", lautet dagegen Stefan Fennekens Devise für die Sportklasse (gegenüber der Standardklasse aufgerüstet). Von 100 auf ungefähr 400 PS habe der Brüner Landmaschinenmechaniker sein grünes Kraftpaket inzwischen buchstäblich geschraubt, sogar einen Motorschaden noch kurz vorm Turnier behoben. Aber von wegen, Sportler qualmen nicht! Nicht erst bei Meter 85 schreit der Trecker in schwarzen Schwaden Zeter und Mordio. Einige Meter höher nebelt das einen Gyrocopter, in dem zwei das Geschehen vom blauen Himmel aus verfolgen, beinahe ein. "Endlich gutes Wetter", ist Matthias Kremer froh und erinnert sich ungern an den Regen im April. Eigentlich hätte schon da das Trecker-Wochenende steigen sollen.

Mehr Fotos vom Trecker-Treck in einer Bildergalerie unter www.derwesten.de/wesel Kampfgewichte ab 3,5 Tonnen und in Stufen bis zur offenen Klasse über acht Tonnen traten beim Trecker Treck an und mussten sich vorm Start präzise wiegen lassen. Das treckbegeisterte Team der Marienthaler Landmaschinenfirma Terhart, darunter Nadja Stenk, wachte darüber. Sie freuten sich besonders über die Kuriositäten auf ihrer Liste: wahre "Monster" mit 22 Tonnen Leergewicht oder ein Oldtimer von 1955 mit der Bezeichnung "Pampa Glühkopf Argentinien". Neben hiesigen Teilnehmern kamen Teams beispielsweise aus Datteln oder Lüdinghausen wie auch aus dem holländischen Doetinchem oder Winterswijk. "An den Meisterschaftsendläufen nehmen 91 von 116 Qualifizierten tatsächlich teil", so Stenk; manchen Landwirt verhindere die Ernte. Ihre Erwartung für den Trecker-Treck-Tag lag bei rund 180.

22 TONNEN SCHWERE "MONSTER"

CHRISTIAN CONSTEN

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