Mister Mittelstand zu Gast in Wesel

Wesel..  Das Grünkohlessen bei der Weseler FDP hat Tradition. Zum 21. Mal hatten die Liberalen mit dem neuen Logo - im Hintergrund ist historische Rathausfassade zu sehen - dazu eingeladen. Dienstagabend war es allerdings kein Politiker, der die Gastrede hielt, sondern eine schillernde Unternehmerpersönlichkeit: Mario Ohoven. Der Vertreter des Mittelstands (siehe Box) lockte auch viele Einzelhändler und andere Mittelständler ins Preußen-Museum, neben Vertretern aus Politik und Verwaltung.

Jobkiller Mindestlohn

Es war vor allem die Arbeit der Bundesregierung, die Mister Mittelstand, wie Ohoven auch genannt wird, sich vornahm. Und so ließ er an der schwarz-roten Koalition kein gutes Haar. Zwar habe das Gros der Unternehmer die Arbeit der großen Koalition mit schlecht bis sehr schlecht bewertet, doch gehe die Mehrzahl der Mittelständler optimistisch ins neue Jahr. Alles in allem hielten sich Optimisten und Pessimisten die Waage.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder müsse man dankbar für die Agenda 2010 sein, die uns gerettet habe. Und nun? Nun bringe der schwarz-rote Weihnachtsmann die Rente mit 63 und - schlimmer noch - den Mindestlohn. „Diese vermeintlich soziale Großtat wird grausame Folgen haben“, prognostizierte Ohoven, der außerdem beklagte, dass für die Überwachung der Einhaltung des Mindestlohns 1600 Zöllner eingestellt würden. „Der Mindestlohn wird sich als Jobkiller erweisen“, sagte der Mittelständler. Und: Was momentan fehle sei das liberale Korrektiv.

Das gefiel den Weseler FDP-Mitglieder natürlich. Die hatten zuvor von Parteichef Bernd Reuther gehört, dass in Wesel nicht nur Mehrausgaben gedeckelt werden dürften, sondern gespart werden müsse, um weiter ohne Haushaltssicherung agieren zu können. Ein Drehen an der Steuerschraube verneinte Reuther. Und wie bei allen Neujahrsempfängen der Parteien lenkte der FDP-Mann den Blick auch auf den Beinamen der Stadt „Vesalia hospitalis“ (Gastliches Wesel). Es sei eine Verpflichtung und eine Selbstverständlichkeit, dass Kriegflüchtlinge willkommen geheißen würden. Asylanten müssten aber die Möglichkeit haben, zu arbeiten, und wenn sie qualifiziert seien, auch zu bleiben. Das kanadische Punktemodell, wonach Sprache, Ausbildung und Qualifikation eine Rolle dabei spielten, werde von der FDP favorisiert.

Schule und Tourismus

Die Weseler Schullandschaft hält Reuther für gut, eine neue Schule sei nicht nötig. Und in Sachen Tourismus sei man froh, dass ein entsprechendes Konzept nun endlich auf den Weg gebracht wurde.