Mister Kister startet durch

Nico Kister mit seiner ersten CD.
Nico Kister mit seiner ersten CD.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nico Kister, 18-jähriger Rapper aus Schermbeck, legt seine erste CD vor.

Schermbeck..  Mittags um zwölf ist Mister Kister ein normaler junger Mann aus Schermbeck. Gerade hat er in Wesel sein Zeugnis abgeholt, jetzt freut sich Nico auf die Ferien. Kein Wunder, blickt er doch auf erfolgreiche Monate zurück. Zum einen legte er das beste Fachabitur seiner Klasse ab. Zum anderen startete er als Rapper durch. Für ihn ist das kein Widerspruch. Nico Kister alias Mister Kister hat sich fest vorgenommen, authentisch zu bleiben. Heißt: Nicht von fetten Autos, Gangs und Drogen singen, wenn man doch eigentlich ein alltägliches Leben führt. Cool sein bedeutet etwas anderes. Das beweist der 18-Jährige auch musikalisch mit seiner ersten CD „Relativ egal“. Eine Begegnung.

Im Mai hat Nico Kister seine Scheibe im Schermbecker YOU vorgestellt. „Relativ egal“ heißt sie, enthält 17 selbst geschriebene deutsche Rap-Songs. Wieso ‘Relativ egal’? „Weil mir viele Sachen relativ egal sind“, sagt Nico. „Also die Meinung der Anderen, das, was die Leute so reden.“

Denkt Nico zurück, hat er sich „eigentlich immer für Musik interessiert.“ Anfangs für Pop - der Rap, der Sprechgesang, die Dichtung der Straße, faszinierte ihn „erst mit 14.“ Erste Texte verfasste er bereits als Neunjähriger. „Ich schreibe immer, wenn ich meine Gefühle los werden will.“

Im vorigen Jahr lernte er bei einem Rap- und Poetryworkshop im YOU den Dortmunder Rapper Schlakks kennen, im bürgerlichen Leben Frederick Schreiber. Nach dem Workshop schickte er ihm eine E-Mail. Schlakks erinnerte sich an den talentierten Schermbecker und lud ihn in sein Dortmunder Studio ein. „Fünf, sechs“ Rap-Songs hatte Mister Kister da schon fertig in der Tasche. Die Grundlage für die erste CD.

Worum es geht? Nico überlegt. Jedenfalls nicht um Kriminalität und Macho-Posen. „Da steckt viel Privates drin, meine Message eben. Ich erzähle über mich: Wer ich bin, was ich bin. Und von meinem Alltag. Was ich nicht gut finde, was mich stört.“ So berichtet der Song „Holt die Hände aus den Taschen“ von einem Schüler, der gemobbt wird und ist ein Aufruf, ihm zu helfen. „Einer vergisst & der andere vermisst“ handelt vom Ende einer Liebe. „Hab und Gut“ dreht sich um einen Obdachlosen. „Die Rapper sind schuld“ nimmt das Vorurteil aufs Korn, dass Rapper junge Leute verderben. „Stimmt nicht“, sagt Nico. „Ich steh’ nicht auf diesen Gangsta-Style.“ Wobei: „In ‘Ghetto’ prolle ich ein bisschen rum.“ Was er ist, davon rappt er in „Normaler Junge“: „Ich bin ein ganz normaler Junge aus dem Dorf.“

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Fest steht: Der Flow stimmt, die Texte sind gut - mal klug, mal albern, mal lustig, mal ernst. Dazu gibt’s tanzbaren Hiphop, coole Beats, etwas Pop. Auch Schlakks gefiel das Ergebnis, erzählt Nico, ebenso wie den Freunden und der Familie.

Nico macht auf jeden Fall weiter mit der Musik. Neue Tracks hat er bereits im Kopf. Wobei Mister Kister, normaler Schermbecker und (laut Songtext) „überkrasser King“, im August zunächst eine Ausbildung zum Fachinformatiker beginnt. „Musik bleibt mein Hobby“, sagt er und grinst. „Also - vorerst.“