Milchquoten-Aus sehen manche als Chance, andere als Risiko

130 Tiere hält Christoph Kley in Wertherbruch. Er fordert Absicherungen für die Erzeuger.
130 Tiere hält Christoph Kley in Wertherbruch. Er fordert Absicherungen für die Erzeuger.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Kreislandwirt Wilhelm Neu sieht einen aufnahmefähigen Weltmarkt. Der Wertherbrucher Christoph Kley hingegen hat Bedenken.

Hamminkeln..  Manch einer erinnert sich an die Butterberge oder die Milchseen. Vor gut 30 Jahren wurde die Milchquote dagegen eingeführt. Seit heute ist sie wieder abgeschafft. „Jetzt werden die Bauern Stallraum und Flächen aufstocken“, sagt Christoph Kley, Milchvieh-Halter in Wertherbruch. Von mehreren Kollegen wisse er, dass sie kräftig investiert hätten. Für die nun wieder unbegrenzte Milchproduktion gebe es Absatzmärkte bis hin nach China, sagen Befürworter in der Branche. Kreislandwirt Wilhelm Neu teilt das, während Kley skeptisch ist. Er fürchtet für seine Zunft sinkende Erzeugerpreise.

Mit der Quote ging ein Strukturwandel einher. Nur etwa jeder vierte Milchwirtschaft-Betrieb sei hier erhalten geblieben, sagt Neu. Die Quote habe viel Bürokratie und viel Geldaufwand mit sich gebracht. Die meisten Landwirte sähen die Abschaffung positiv. Als freie Unternehmer müssten sie sich „ein Molkerei-Unternehmen aussuchen, das weltweit im Markt aktiv ist“.

Überproduktion befürchtet

Die Milcherzeugung werde zwar nicht sprunghaft ansteigen, meint Christoph Kley, aber etwa ab Herbst fürchtet er eine Überproduktion. Die globale Entwicklung zeige, dass eine Ausrichtung auf den Weltmarkt unsicher sei, zumal für diejenigen, die sich mit dem Bau neuer Ställe und der Investition in moderne Melktechnik bei den Banken verschuldet hätten. Neu räumt ein, dass die Marktschwankungen zunehmen. Schon kleine Mengenveränderungen haben eine große Wirkung.

Gebe es große Milchmengen, sei es für die Abnehmer eher möglich, die Preise zu drücken, so Kley. Bei 30 Cent pro Liter liege die Schmerzgrenze. Darunter würden die Produktionskosten nicht erreicht.

Bundesverband will neue Instrumente

Von Chancen und Risiken im Zusammenhang mit dem Auslaufen der Milchquote sprechen die Parteien im Bundestag und wollen begleitende Maßnahmen. Instrumente, einer Milchmarkt-Krise wirksam zu begegnen, fordert der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Die sogenannte Superabgabe, für ein Überziehen der Quote zu zahlen, könne für einen absichernden Fonds verwendet werden. Verbindliche Verträge zwischen Milchvieh-Haltern und Molkerei-Wirtschaft über Menge, Qualität, Preis und Laufzeit, EU-weit umgesetzt, könnten ebenfalls einem solchen Effekt dienen. Und es müsse ein Frühwarnsystem geben, das rechtzeitiges Handeln ermögliche, so Kley.

„Absicherungen sind längst da“, sagt Wilhelm Neu. Die Politik dürfe den deutschen Erzeugern keine Rahmenbedingungen setzen, die sie gegenüber den EU-Mitbewerbern benachteilige. Er fordert, dass der Interventionspreis (garantiert die Abnahme von Produkten zu einem Mindestpreis und sichert den Milchpreis) von derzeit 21 Cent erhöht wird, auch um gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel „ein Signal auszusenden“.