Das aktuelle Wetter Wesel 3°C

Zusammenleben

Migranten haben keine andere Wahl

24.09.2009 | 17:55 Uhr

Wesel. Gerade eröffnet die Vorsitzende Bilgenur Güzeldere die Sitzung des Integrationsrates im Rathaus, da wickelt ein Beiratsmitglied noch kurz einen Anruf per Handy ab. Auf Türkisch. „Das war der Schützenverein Feldmark”, erklärt der freundliche Mann. Manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

Ansonsten ging es Mittwoch konzentriert und zügig voran. Ganz oben auf der Tagesordnung: Die Empfehlung an den Rat der Stadt, den 7. Februar 2010 als Termin zu setzen für die nächste Wahl des Integrationsrates. Sie wird durch die Änderung der Gemeindeordnung (§ 27) geprägt sein. Zukünftig werden Bürger, die die deutsche Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung erworben haben, nur noch wahlberechtigt sein, „wenn die deutsche Staatsangehörigkerit frühestens fünf Jahre vor dem Tag der Wahl erworben worden ist”, so Gastredner Franz Paszek, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen NRW. Die zeitliche Befristung ist neu und stößt im Integrationsrat auf Kritik. Das schließe sehr viele Wahlberechtigte, etwa Spätaussiedler, aus.

Die aus Sicht des Integrationsrates – der nur Empfehlungen aussprechen, aber keine Beschlüsse fassen darf – gute Nachricht: „Wesel wird den Integrationsrat behalten”, zitiert Dezernent Klaus Schütz den Vorschlag der Verwaltung, über den der Rat noch abstimmen muss. Zukünftig soll sich die Interessenvertretung der Migranten aus zehn dafür gewählten Mitgliedern sowie fünf Ratsmitgliedern zusammensetzen. Die Änderung der Gemeindeordnung ließe stattdessen auch die Bildung eines Integrationsausschusses zu. In ihm hätten Ratsmitglieder die Mehrheit. Aber, wie gesagt, Wesel favorisiert auch in Zukunft den Integrationsrat.

Eine Frage der Macht

Nach fünf Jahren als Vorsitzende sagt Bilgenur Güzeldere im Gespräch mit der NRZ: „Ich weiß noch nicht, ob ich wieder kandidieren will.” Sie wolle in den nächsten Wochen für sich eine Entscheidung treffen. Mit einem Gegenkandidaten ist wohl zu rechnen. Und: Bilgenur Güzelderes Engagement im Kommunal-Wahlkampf für den gescheiterten CDU-Bürgermeister-Kandidaten Ralf Hörsken hängt ihr nach. Die kämpferische Frau wird es nicht leicht haben. Einen ersten Vorgeschmack bekam sie am Mittwoch in der Sitzung: Ein völlig harmloser Antrag von ihr über eine Fahrt mit Besichtigung der Moschee in Duisburg-Marxloh (Kosten: 300 Euro) wurde abgebügelt. Allen voran Grünen-Ratsfrau Marlies Hillefeld, die stattdessen Besuche in Wesels Moscheen und Migrationsvereinen anregte.

Bleibt abzuwarten, was im Vorfeld der Neuwahlen dominiert: nur die Machtfrage – oder auch Sachverstand und Integration.

Susanne Storck

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
26.09.2009
08:16
Migranten haben keine andere Wahl
von Xantro | #14

Wieviel Migranten in Wesel haben sich integriert und eingelebt?Aus welchen Ländern kommen diese?Wenn Integrationsrat bzw. Integrationsausschuss, dann für alle Migranten nicht nur für Bürger türkischer Herkunft.

25.09.2009
23:01
Migranten haben keine andere Wahl
von Neithard Kuhrke | #13

n Wesel ist man so stolz auf sein Preußentum. Friedrich II. soll gesagt haben, jeder soll nach seiner Fasson seelig werden, warum darf man das in Wesel nicht? Wo bleibt die Toleranz?

25.09.2009
18:44
Migranten haben keine andere Wahl
von Pit01 | #12

Die Mitglieder des Integrationsrates sollten auch mit gutem Beispiel voran gehen und die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben. Da sehe ich leider immer noch Defizite im Weseler Integrationsrat, so wurde mir berichtet.

25.09.2009
13:30
Migranten haben keine andere Wahl
von Hilmar Schulz | #11

Ekelhaft und absolut fremdenfeindlich...Herr 10 kleine Farbige(allein der Name schon)

Mauern in den Köpfen beseitigen, Integrationsrat muss ein Ausschuß im Stadtrat werden.

25.09.2009
11:44
Blockierter Kommentar.
von rene.bogdanski | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.09.2009
11:32
Migranten haben keine andere Wahl
von inlingua | #9

Wie kann denn eine Fahrt nach Duisburg 300 € kosten (Hubschrauberflug)? Oder wird für den Besuch einer Moschee Eintritt genommen? Was hat ein Besuch einer Moschee überhaupt mit Integration zu tun? Wozu brauche ich einen Integrationsrat? Wenn einer nicht versteht oder glauben will, dass ein Leben in Deutschland sehr viel einfacher und besser sein kann, wenn man deutsch sprechen kann, so wird ihm auch ein Integrationsrat nicht helfen können.

25.09.2009
11:30
Migranten haben keine andere Wahl
von lingua | #8

Wie kann denn eine Fahrt nach Duisburg 300 € kosten (Hubschrauberflug)? Oder wird für den Besuch einer Moschee Eintritt genommen? Was hat ein Besuch einer Moschee überhaupt mit Integration zu tun? Wozu brauche ich einen Integrationsrat? Wenn einer nicht versteht oder glauben will, dass ein Leben in Deutschland sehr viel einfacher und besser sein kann, wenn man deutsch sprechen kann, so wird ihm auch ein Integrationsrat nicht helfen können.

25.09.2009
09:35
Migranten haben keine andere Wahl
von Pit01 | #7

Warum sollten Migranten nicht auch den Dom besuchen? Sie laden uns Ungläubige ja auch in die Moschee ein. Also? Sehr einseitig, was da immer gefordert wird.

25.09.2009
07:15
Blockierter Kommentar.
von 10kleineNegerlein | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.09.2009
00:08
Migranten haben keine andere Wahl
von Fred Handauf | #5

Eine Partei mit sozialen Gedanken, die sich gegen die unsäglichen Frauenverkleidungen, die Zwangsheirat, oder nur einfach gegen Desinteresse zur echten Integration richtet, fehlt in diesem Land. Wer die Sprache nicht lernen will, nur auf der sozialen Hängematte liegt, gehört nicht hierher.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/42640/create

Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Jugendliche möbeln einen Waggon auf
Vereinsarbeit
Waggontausch beim CJD-Berufsförderungszentrum: Junge Erwachsene haben einen Güterwagen im Projekt „Unter Dampf“ mühevoll saniert.
Die Sucht-Info fährt im Bus mit
Suchtberatung
150 Plakate sollen die NIAG-Busse im Kreis Wesel verschönern und die Schwellenangst vor der Beratung nehmen.