Mehr Platz für Bewegung

Zu Fuß und mit dem Fahrrad - beide Fortbewegungsarten sollen bei Verkehrsplanungen in Wesel demnächst eine größere Rolle spielen.
Zu Fuß und mit dem Fahrrad - beide Fortbewegungsarten sollen bei Verkehrsplanungen in Wesel demnächst eine größere Rolle spielen.
Foto: FUNKE Foto Services
Nahmobilitätskonzept - das klingt ziemlich sperrig. Doch was sich dahinter verbirgt, ist nicht ganz unbedeutend.

Wesel..  Wer im Büro sitzt, bewegt sich in der Regel am wenigsten. Gerade einmal 500 Meter sind es an manchen Tagen, wenn es denn bereits mit dem Auto zur Arbeit ging. Diese Zahl nannte Michael Blaess, Fahrradbeauftragter der Stadt Wesel, bei der Vorstellung des Nahmobilitätskonzepts im Ausschuss für Stadtentwicklung. 80 Seiten umfasst das Werk, das auf Veranlassung der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen erneut auf die Tagesordnung kam. Denn eines steht fest: Viele Wege könnten besser mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt werden, was zum einen gut für die Umwelt, zum anderen aber auch gut für den Menschen wäre, der sich automatisch bewegt und fit hält.

Note „gut minus“

Bewegung ist das Thema bei der Nahmobilität. Städte sollten so weiter entwickelt werden, dass sie dazu einladen und nicht etwa behindern. Ein Beispiel: Zugeparkte Fahrradwege und Straßen sind nicht unbedingt ein Anreiz, um dort entlang zu radeln. Dabei ist Wesel auf einem guten Weg, zumal die Stadt eine von 71 fußgänger- und fahrradfreundlichen Städten der gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft in Nordrhein-Westfalen ist und damit regelmäßig bewertet wird. Bei der letzten Verlängerung der Mitgliedschaft bis Ende 2021 gab es die Note „gut minus“.

Blaess teilte mit, dass statistisch gesehen jeder Weseler ein Fahrrad besitzt – und es auch häufig nutzt. Immerhin werden laut einer Haushaltsbefragung von 2013 28 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad beziehungsweise E-Bike und 13 Prozent zu Fuß zurückgelegt. Täglich sind dies 59 000 Strecken mit dem Rad und 27 000 zu Fuß. Allerdings kommen auch 41 Prozent der Wege unter vier Kilometer mit dem Auto zusammen, was wiederum 35 000 Fahrten täglich bedeutet. Da könnte sich noch einiges ändern, besonders dann, wenn das Radeln in der Stadt durch die Gegebenheiten so richtig Spaß macht.

In dem Konzept geht es um Wesel als Lebens- und Bewegungsraum in den nächsten sieben Jahren. Es geht um Kurzstrecken und ums Parken, ums Radeln und ums Gehen. Bewegung soll im Alltag dauerhaft mehr Platz finden, was nicht nur von individuellem, sondern auch von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Nutzen wäre, wie die Stadtverwaltung betont.

Entschieden wird im Einzelfall

Am Ende wurde das Konzept als eine mögliche Grundlage für die weiteren verkehrsplanerischen Entwicklungen verabschiedet. Entschieden wird aber im Einzelfall. Auch der Rat der Stadt Wesel hat das Konzept in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause inzwischen für gut befunden.