Mehr als Mehl und Maggi
02.08.2007 | 21:17 Uhr 2007-08-02T21:17:46+0200EINKAUFEN. Im Frischemarkt von Karl-Heinz Voss gibt es viele Dinge auf wenig Raum. Es zähle der Mensch dahinter, sagt er.
WESEL. Vorne links, ganz in der Ecke, stehen die Hochprozentigen. Darunter die Kühltruhe mit dem Eis. Rechts, neben der Postagentur und vor dem Obst und Gemüse, der Ständer mit Glückwunschkarten, gleich gegenüber den Zeitungen und Zeitschriften. Dann kommen die Regale mit allem fürs Backen, die Tiefkühlkost, Fleischtheke, Maggi-Abteilung und dazwischen das Tchibo-Sortiment. Ein ganz normaler Supermarkt. Der Blumenkamper Frischemarkt ist mehr als das.
"Guten Morgen, Herr Voss", sagen die Kundinnen. "Wie geht es Ihnen?" Herr Voss sitzt an der Kasse und scherzt, heute würden die Preise verdoppelt, weil der Chef selbst kassiere. Vor wenigen Tagen noch hat er im Krankenhaus gelegen. "Übernehmen Sie sich nicht", rät ein älterer Herr.
Gut gemeint, aber ohne Karl-Heinz Voss geht es nicht. "Die persönliche Note ist wichtig. Da steht ein Mensch dahinter", sagt der 48-jährige Reeser, der den Laden seit sieben Jahren führt. Den gibt es seit 1930. Er ist eine der ersten Rewe-Filialen weit und breit.
Der vierfache Vater hat Koch und Metzger gelernt. Das macht ihn für Hausfrauen und -männer zu einem besonders wertvollen Ratgeber. Stolz ist er vor allem darauf, dass 80 Prozent des Wurstangebotes aus eigener Herstellung stammen. Im vergangenen Jahr hat Voss die Weseler Metzgerei Spelmanns übernommen. Die liefert auch Fertiggerichte für die Mikrowelle an den Blumenkamper Laden. "Ihr Fleisch kaufen sie alle hier", sagt Voss. Auch Flürener oder Feldmarker. Soldaten aus der Kaserne gegenüber schätzen besonders die Frikadellen und belegten Brötchen.
Der Chef ist ein Raumkünstler. Irgendwie gelingt es ihm und seinen Mitarbeitern, darunter Ehefrau Brunhilde, auf den 177 Quadratmetern auch Vitamintabletten, Tierfutter und Dosen mit chinesischem Früchtecocktail unterzubringen. Die "leckeren Äpfel und Birnen aus Rees" werden halt draußen vorm Eingang angeboten. Voss setzt auf Ware aus der Region. Auf Kartoffeln aus Wertherbruch, auf Eier aus Isselburg.
Von 7 bis 18.30 Uhr ist geöffnet. Tatsächlich aber meist bis 19 Uhr. Weil irgendwas fehlt, klopfen die Leute auch Sonntagvormittag schon mal an die Tür, hinter der Karl-Heinz Voss im Büro sitzt. Ein winziger Raum. Trotzdem kann man fast jeden Wunsch los werden.
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