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Mehr als 80 kleine Mahnmale

07.03.2016 | 19:00 Uhr
Mehr als 80 kleine Mahnmale
Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Beigeordneter Daniel Kunstleben, Ernest Kolman, Paul Borgardts vom Jüdisch-Christlichen Freundeskreis und Doris Rulofs-Terfurth vom Stadtarchiv (von links) mit dem neuen Flyer.Foto: Markus Joosten

Wesel.   Die Stadt veröffentlichte in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Jüdisch-Christlichen Freundeskreis einen neuen Flyer „Stolpersteine Wesel“

Man „stolpert“ mittlerweile an zahlreichen Ecken in der Innenstadt und auch in Büderich über die kleinen viereckigen Betonsteine mit der gravierten Messingplatte darauf. Und genau das soll man ja auch, wenn natürlich nur im übertragenen und nicht im wörtlichen Sinn. Denn der Kölner Künstler Gunter Demnig möchte mit seinen Stolpersteinen ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus errichten. Auch in der Hansestadt wird seit 2009 mit Hilfe der kleinen Blickfänge an Weseler erinnert, die auf unterschiedliche Art und Weise unter dem Dritten Reich gelitten haben, verfolgt und zum Teil auch ermordet wurden. Einen Überblick über alle bislang gesetzten Stolpersteine, ihre Standorte und die Personen, für die sie verlegt wurden, bietet ein neuer Flyer.

Einer, für den 2009 einer der ersten Stolpersteine in Wesel verlegt wurde, war zur Vorstellung gestern sogar selbst anwesend. Ernest Kolman, in Wesel aufgewachsen und nach England geflohen, war für einen Kurzbesuch in seiner Geburtsstadt. Heute fliegt er wieder zurück. Noch immer steigen dem charismatischen Senior, der im Juni seinen 90. Geburtstag feiert, sofort die Tränen in die Augen, wenn er aus der Zeit des Nationalsozialismus berichtet. Etwa von diesem Tag im Jahr 1933, als er zum ersten Mal mit dem Hass auf Juden in Berührung kam. Auf einer Hauswand hat er damals eine Schmiererei entdeckt. „Juden raus“ habe dort gestanden, sagt Kolman.

Es sei eine Pflicht, immer wieder an das Geschehene zu erinnern, findet Ernest Kolman. Gerade auch mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsthematik. Erinnern – genau das möchte die Stadt mit den mehr als 80 Stolpersteinen, die vor den ehemaligen Wohnhäusern der jeweiligen Personen verlegt wurden. Wie gut diese Form des Gedenkens in der Stadt ankommt, das erfährt Doris Rulofs-Terfurth vom Stadtarchiv immer wieder. Zahlreiche Privatpersonen, Vereine und andere Spender unterstützen immer wieder die Anschaffung. Auch Schulen beteiligen sich regelmäßig, übernehmen etwa die Kosten, die bei 120 Euro pro Stein liegen, oder gestalten die Verlegungen mit Informationen über die jüdischen Familien mit.

1500 Exemplare

Der Flyer der Stadt, des Stadtarchivs und des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises ist in einer Auflage von 1500 Stück gedruckt worden und im Rathaus, im Stadtarchiv sowie in der Stadtinformation am Großen Markt erhältlich. Bei Zeiten soll er aktualisiert werden, da regelmäßig weitere Steine verlegt werden.

Gabi Kowalczik

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2016-03-07 19:00
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