„Man muss sich abgrenzen“

Ein Blick in die Weseler Fußgängerzone.
Ein Blick in die Weseler Fußgängerzone.
Foto: WAZ FotoPool / Gerd Hermann
Was wir bereits wissen
Ein Experten-Team widmet sich dem Thema Online-Verkauf und Einzelhandel. Hintergrund: Immer mehr Kunden kaufen via Mausklick

Wesel..  Das Weihnachtsgeschäft hat es in den letzten Wochen vorgeführt: Das Internet macht dem Handel Konkurrenz. Deutlich ruhiger als sonst, lautete das Fazit der Weseler Einzelhändler. Besonders ärgerlich für die Fachgeschäfte: Viele Kunden ließen sich beraten und kauften anschließend im Netz. „Wir lagen unter dem Vorjahresniveau“, bestätigte Wilhelm Bommann, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Niederrhein, gestern. Er verwies exemplarisch auf den Bereich Spielwaren. Rund 30 Prozent wurden 2014 online gekauft. Und ein Ende der Entwicklung sei noch lange nicht in Sicht. Bommann denkt dabei an Bereiche wie den Buchhandel und die Unterhaltungselektronik. Mittlerweile werde sogar der per Mausklick auffüllbare Online-Kühlschrank immer populärer. „Da wird einem schon ein bisschen Angst und Bange“, sagt er.

Gegensteuern will eine Experten-Arbeitsgruppe, die sich aus Vertretern des Einzelhandelsverbandes, städtischen Wirtschaftsförderern, Weseler Werbegemeinschaft und Stadtmarketing zusammensetzt. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, den örtlichen Einzelhandel zu stärken. Das Internet nutzen, nicht verteufeln, lautet dabei die Devise. Gestern im Rathaus gab es eine erste Bilanz: Der größte Teil der Weseler Geschäftsleute nutze das Internet, fasste Thomas Brocker, Geschäftsführer der Gesellschaft Wesel Marketing, zusammen: 70 Prozent der rund 200 Händler betrieben inzwischen eine eigene Homepage, knapp über 30 Prozent einen Online-Shop.

Beratung und Service

Dem gegenüber stehe die rasante Entwicklung der Medienwelt: An 70 Prozent aller Einkäufe sei das Internet inzwischen beteiligt. Beim direkten Online-Verkauf betrug die Wachstumsrate 2014 satte 17 Prozent. Und 69 Prozent der über 14-Jährigen seien inzwischen mobil online, was bedeutet: Sie nutzen unterwegs ihr Handy - etwa um Angebote zu vergleichen.

Vom Wandel besonders betroffen seien Klein- oder auch Mittelstädte wie Wesel, fasste das Experten-Team zusammen. Dies sei jedoch kein Grund, in Panik zu verfallen. Die Leerstände in der Stadt bewegten sich „unter dem Durchschnitt.“ Und: „Es gibt für den stationären Handel genug Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen“, meinte Thomas Brocker.

Informieren will ein kostenloser, offener Vortragsabend mit Experten am 14. Januar (siehe Kasten). Am 24. Februar startet mit der VHS eine Veranstaltungsreihe zur Zukunft des Handels. Darin wird es unter anderem um die günstige, effektive Gestaltung einer Homepage gehen, um Möglichkeiten, unmittelbar in Suchmaschinen aufzutauchen - oder aber um die Nutzung von sozialen Plattformen wie Facebook und Co.

Philippe Tenhaeff, Vorsitzender der Weseler Werbegemeinschaft und Mitinhaber eines Bettenfachgeschäftes, verwies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung eines guten Service vor Ort. Darunter falle eine kompetente zuvorkommende Beratung ebenso wie mögliche Zusatzleistungen: „Wir bringen das, was Sie bei uns bestellen, auch abends bei ihnen vorbei.“

Andere ziehen am selben Strang. So wird im Kaufhof bei ausverkauften Produkten im Tablet-PC nachgeschaut, ob die Ware in einem anderen Haus verfügbar ist und bestellt werden kann. An anderen Standorten haben sich kleinere Buchgeschäfte vernetzt. Viele laden zu Lesungen oder Vorträgen ein. Tenhaeff: „Man muss sich abgrenzen.“

Auch die Stadt habe eine Reihe Maßnahmen gestartet, um die Weseler Einkaufswelt attraktiver zu gestalten, ergänzte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Die Palette reichte in den letzten Jahren von der Umgestaltung der Fußgängerzone bis zur Verschönerung des Bahnhofsumfeldes. Bommann bestätigte: Auch die Kommunen sind gefordert. „Die Gastronomie und kulturelle Angebote spielen eine große Rolle.“