Man kennt sich hier

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Wesel..  Es ist einiges los an diesem Vormittag im Edeka-Markt an der Marienstraße. Immer wieder öffnet sich die automatische Tür in den Laden, der noch ganz traditionelle Öffnungszeiten hat. Morgens um sieben geht’s los, um 18.30 Uhr ist Feierabend, samstags um 14 Uhr. „Wir sind hier schließlich auf dem Dorf“, sagt Geschäftsfrau Sabine Christians, die mit ihrem Ehemann Peter seit 15 Jahren den Laden führt. Schwiegermutter Christel (75) ist morgens auch noch im Geschäft, zu dem wie seit jeher der Brennstoffhandel zählt.

Großvater Peter

Seit 1938 gibt es Edeka an dieser Stelle. Peter Christians’ Großvater Peter Janssen hat den Lebensmittelladen damals eröffnet. Deshalb steht nach wie vor Janssen auf dem Werbeschild.

Viele Stammkunden gibt es, die hier ein und aus gehen. Natürlich aus Ginderich, aber auch aus Büderich, Menzelen und sogar aus Birten, sagt Sabine Christians. Heidi Kaczmarek schaut einmal in der Woche vorbei. Die Büdericherin mag den Laden, zumal es so etwas in ihrem Dorf nicht gibt. Metzger Ralf Schober, der hier seit 13 Jahren arbeitet, reicht ihr einen Kräcker mit der neuesten Salatkreation zum Probieren, bevor sie ihren Einkauf bei ihm erledigt. „Alles unter einem Dach“, wie sie betont. „In Büderich müsste ich in drei Geschäfte gehen.“

Auch Bernd Tepaß stammt aus Büderich. „Hier stimmt einfach alles“, fasst er seine Eindrücke zusammen. „Alle sind sehr, sehr nett und man trifft auch mal alte Arbeitskollegen.“ Sogar das Heizöl kauft er bei Janssen, und einmal in der Woche kommt er mit seinen Vorpensionskollegen, wie er es ausdrückt, zum Frühstück in die angeschlossene Bäckerei Dams.

„80 Prozent der Kunden kenne ich mit Namen“, sagt Metzger Schober. Und dass hier alles sehr persönlich ist. Bleibt mal eine Scheckkarte liegen, sucht die Chefin persönlich nach der Telefonnummer des Besitzers, um ihn zu verständigen.

„Es gibt einige ältere Leute, die habe ich hier im Laden noch nie gesehen“, sagt Sabine Christians auf Nachfrage. Dabei sei das Angebot doch gerade für sie ideal, wenn sie später einmal nicht mehr so mobil sind. Wer im Dorfladen einkauft, kann zudem sicher sein, dass im Notfall auch außerhalb der Öffnungszeiten was zu haben ist. „Manchmal klingelt nachts um eins das Telefon, wenn die Getränke bei einer Feier ausgegangen sind“, erzählt die Chefin, oder auch schonmal sonntags. Kürzlich war eine Frau gerade dabei etwas einzukochen, als sie feststellte, dass sie keine Einmachringe mehr zu Hause hat. Dass dann geholfen wird, ist für Sabine Christians eine Selbstverständlichkeit. Man lebt halt auf dem Dorf und hilft sich gern.