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„Luxuswohnheim statt alte Hütte“

30.11.2011 | 18:39 Uhr
„Luxuswohnheim statt alte Hütte“
Blumen für Anneliese Pünnel, die sehr gerührt war.. Foto Johann Ridder

Wesel.   Am gestrigen Mittwoch wurde der Grundstein für das Dr.-Leo-Pünnel-Haus der Lebenshilfe an der Gerhart-Hauptmann-Straße gelegt.

Es war ein Name, der gestern Vormittag auf der Baustelle an der Gerhart-Hauptmann-Straße immer wieder fiel: Dr. Leo Pünnel. Der vor sieben Jahren verstorbene Gründer der Lebenshilfe Unterer Niederrhein ist auch der Namensgeber für den demnächst hier ansässigen Wohnverbund.

Seine Ehefrau Anneliese war zusammen mit Tochter Kathrin und Sohn Markus bei der Grundsteinlegung des Dr.-Leo-Pünnel-Hauses dabei. „Das hätte er nicht gewollt“, sagte die Witwe gerührt, nachdem viele Redner von ihrem Mann geschwärmt und sein Lebenswerk mit Blick auf die Lebenshilfe gewürdigt hatten.

14 Wohnheimplätze und acht Appartements werden auf dem einstigen Kindergartengelände der Lebenshilfe, auf dem zuletzt bereits Menschen mit geistiger Behinderung wohnten, nach einem Entwurf des Weseler Architekturbüros Eberl & Lohmeyer gebaut. 38 Betonpfähle in einer Tiefe von bis zu neun Metern waren auf dem ungünstigen Untergrund für die Gründung nötig, sagte Architektin Daniela Lohmeyer, bevor in der Hülse des Grundsteins unter anderem auch ein Foto von Dr. Leo Pünnel verschwand.

FAKTEN
Richtfest im Frühjahr

2,2 Millionen Euro soll der Bau des Wohnverbunds Dr.-Leo-Pünnel-Haus an der Gerhart-Hauptmann-Straße 26 kosten und im Frühjahr das Richtfest gefeiert werden. Wenn alles gut geht, möchten die Verantwortlichen das neue Gebäude bereits in einem Jahr einweihen. Geld für das Projekt fließt unter anderem von der Stiftung Wohlfahrtspflege und dem Landschaftsverband Rheinland. Die Bewohner des bisherigen Hauses sind zurzeit an der Friedenstraße untergebracht.

Drei kleine Gruppen und acht Appartements

Geschäftsführerin Verena Birnbacher beschrieb das künftige barrierefreie Angebot genauer: In drei Gruppen werden vier bis sechs Bewohner untergebracht. Jeder von ihnen hat ein Einzelzimmer, Küche und Gruppenraum können zudem gemeinsam genutzt werden. Hinzu kommt ein Pflegebad und ein Schwesternnotruf sowie ein Aufzug, denn das Gebäude wird selbstverständlich barrierefrei sein. Darüber hinaus gibt es die Appartements sowie einen Gemeinschaftsraum, wo man sich trifft. Vor allem für Rollstuhlfahrer sei die Nähe zur Stadt wichtig, so dass es hier bald optimale Bedingungen für ein selbstbestimmtes Leben gebe.

Ein großartiger Mann

Wohnheimsprecher Peter Haag drückte in seiner Rede das aus, was seine Mitbewohner wohl alle fühlen: „Wir können es kaum abwarten“. Sie begleiten das Geschehen seit dem „Abriss der alten Hütte“ bis zum Neubau des zukünftigen „Luxuswohnheims“. „Wir werden Dich niemals vergessen“, schloss der künftige Mieter mit Blick auf Leo Pünnel, den er als großartigen Mann bezeichnete.

Blumen für Anneliese Pünnel, die sehr gerührt war. Foto Johann Ridder

Der Vorsitzende der Lebenshilfe, Werner Esser, hatte zuvor darauf hingewiesen, wie rasant das neue Gebäude wächst. „Wir sind jetzt schon so weit, wie wir das gar nicht geplant haben“, sagte er und erinnerte an die Anfänge der Lebenshilfe in Wesel im Jahr 1964. Denn die waren genau hier. Hier habe man eine Stätte für Menschen mit geistiger Behinderung geschaffen, wie es sie bislang nicht gegeben hatte. Den betroffenen Eltern und einer Bürgerinitiative, an der Spitze Dr. Leo Pünnel, selbst Vater eines behinderten Sohns, sei dies zu verdanken.

Die Einstellung hat sich geändert

Mit der Zeit habe sich einiges geändert. Das betreffe sowohl die Behindertenhilfe als auch die Einstellung der Gesellschaft bis hin zur Inklusion. Vielleicht könne ja mal jemand ein Buch über diese Entwicklung schreiben, regte Esser vor vielen Gästen, darunter auch die Nachbarn, an.

Petra Herzog

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