Lieder über die weite Welt

Foto: Christoph Karl Banski

Wesel..  Über alle sieben Meere ging es am Sonntag beim 4. Pfingstfrühschoppen im Biergarten des Kolpinghauses. Der Shanty-Chor MC 46 Wesel als Ausrichter wurde bei frühlingshaften Temperaturen unterstützt von den „Seeleuten“ des MK Ettlingen, die extra mit dem Zug aus Baden-Württemberg angereist waren sowie dem Shanty-Chor Freibeuter Rhede. Auf dem „Hamburger Veermaster“ ging es an den „Golf von Biskaya“ und selbst mit dem wohl unvermeidlichen „Drunken Sailor“ an Bord hieß es: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“. Rund 100 Besucher freuten sich über die maritimen Evergreens.

Dass ein Chor aus der Nähe von Karlsruhe, also weit weg vom nächsten Meer, von den Sehnsüchten der Matrosen singt, ist für Harald Brück vom MK Ettlingen völlig normal: „Die meisten Mitglieder der Marine kommen aus dem Binnenland. In unserem Chor singen viele, die selbst noch zur See gefahren sind. Aber in unserer Heimat sind wir schon Exoten.“ Das trifft vor allem auf Chorleiter Luis Craff zu. „Er dürfte der einzige Peruaner sein, der einen Shanty-Chor leitet“, lacht Brück.

Heimathafen Kolpinghaus

In Seefahrerkreisen heißt es, eine Frau an Bord bringt Unglück. Dementsprechend findet sich auch keine Sängerin in den Chören. Dass Ellen Weber zum Ensemble der Rheder Freibeuter zählt, hat einen anderen Grund. „Sie spielt bei uns ein Instrument, das ist in Ordnung, nur singen geht gar nicht. Aber dafür tragen wir unsere Ellen auf Händen“, versichert Chorleiter Valentin Terhart. Shanty-Frau Weber sieht das gelassen: „Wenn man sich mit den Männern so gut versteht wie ich, ist das okay.“

Für sie alle steht der Spaß im Vordergrund. Das bestätigt auch Georg Niehues, dessen Weseler Shanty-Chor auf Wunsch der Hansestadt einst aus einem Männerchor hervorging: „Das war schon eine Umstellung, bei Shantys muss man viel lustiger sein.“ Ob das dem Ursprung nach auch so war, ist ungewiss, denn Shantys, erläutert Niehues, „sind Arbeiterlieder, man hat sie beispielsweise beim Setzen der Segel gesungen.“ Dass dieses „Hafen-Konzert“ mitten auf dem Land stattfand, findet der Weseler völlig normal: „Unsere Proben finden im Kolpinghaus statt, das ist also gewissermaßen unser Heimathafen.“