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Lesehunger gibt’s immer noch

21.01.2015 | 17:58 Uhr
Lesehunger gibt’s immer noch
Bücherei-Leiter Wolfgang Berg inmitten der vielen Medien, zu denen immer wieder aktuelle hinzukommen.Foto: Markus Weißenfels

Wesel.   Die Stadtbücherei feiert ihr 40-jähriges Bestehen im Centrum, wo neue Techniken Einzug gehalten haben. Roman-Bestseller gehen nach wie vor.

Ist eine Bücherei noch zeitgemäß? Ist es gerechtfertigt, dass die Stadt viel Geld in sie investiert? „Existenziell“ sei die Einrichtung im Centrum, sagt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Auch noch zu ihrem 40. Geburtstag an dieser Stelle, den sie gerade feiert - trotz Internet. Hier werde zum Lesen angeregt und der Bildungsauftrag wahrgenommen. Verändert hat sich in den vier Jahrzehnten trotzdem eine Menge.

Schon bald nach dem Krieg, im September 1946, begann die in der Komturei ausgebombte Stadtbücherei neu. Es gab „mehr Lesehungrige als Bücher“, wie die NRZ vermeldete. Ein Buch pro Leser wurde in einer Baracke an der Gelißstraße ausgeliehen, für Familien zwei. Jeder neue Leser hatte zum Einstand ein Buch zu spenden. Eine „Zelle geistigen Wiederaufbaus“ sei die Bücherei, hieß es in dem Bericht. Es zeige sich das Bedürfnis, „erlittene Bildungslücken auszugleichen“ und auch durch „besinnliche Einkehr in die schöngeistige Literatur das Chaos und den Niedergang vom Sittlich-Geistigen her zu überwinden“.

Immer wieder umgezogen

Immer wieder zog die Bücherei um: in die Friedenstraße, ins Rathaus am Mathena-Kreuz, an die Esplanade - stets aus Platzmangel. 2350 Titel gab es 1956, in einem per Schreibmaschine geschriebenen, 181 Seiten umfassenden und für 60 Pfennig verkauften Bücherkatalog fein säuberlich aufgelistet.

Mit sieben oder acht Jahren habe sie ganz stolz ihr erstes Buch am Bücherei-Standort Esplanade ausgeliehen, erinnert sich Ulrike Westkamp. Mit der freien Auswahl war das damals so eine Sache. Bücherei-Leiterin Hanni Bröckerhoff schaute sich ihre Kunden genau an, um dann zu bestimmen, was für sie in Frage kam. Die Konditionen: Zwei Bücher für drei Wochen kostenlos, bei verspäteter Rückgabe 20 Pfennig pro Buch.

Seit 1975 im Centrum

Mit 21 000 Bänden erfolgte der Start im Centrum 1975. Seither wurden dort fast zwölf Millionen Medien ausgeliehen und mehr als zwei Millionen Euro ausgegeben, um rund 260 000 Medien anzuschaffen - neben Büchern immer wieder auch solche, die auf neuer Technologie basieren. Scanner und Computer haben Lesekarten und Benutzerhefte mit den aufgestempelten Entleih-Daten abgelöst.

Zwölf Mitarbeiter betreuen und beraten heute 3850 aktive Leserinnen und Leser, unter denen die Zahl der älteren zugenommen hat, seit 2009 der Fahrstuhl installiert wurde. Der älteste ist 92.

Auch nach den Konsalik-, Simmel- und Danella-Phasen gibt es immer wieder begeisterte Roman-Leser. Bei den Sachbüchern sind Garten, Kochen, Medizin laut Bücherei-Leiter Wolfgang Berg „absolute Renner“. Religion und Philosophie seien dagegen „überhaupt nicht mehr“ gefragt.

Joachim Freund

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2015-01-21 17:58
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