Lebenswertes Ginderich

Weit über Ginderich hinaus bekannt - die Wallfahrtskirche.
Weit über Ginderich hinaus bekannt - die Wallfahrtskirche.
Foto: FUNKE Foto Services
Dorfschmiede entwickelt neue Ideen für die Zukunft - vielleicht macht Leader ein Bürgerhaus möglich

Wesel..  Wesel ist ein Dorf, sagt manch echter Weselaner. Und auch viele Weseler (die Zugezogenen) haben nicht unbedingt das Gefühl, in einer Kreisstadt zu wohnen. Noch dörflicher wird es natürlich in den Ortsteilen oder in den echten Dörfern, so wie im linksrheinischen Ginderich. Einer, der das bestätigen kann, ist Ralf Sundermann, 49 Jahre alt und ein echter Gindericher. Gerade einmal zwei Jahre hat er seinem Dorf den Rücken gekehrt und ist zu seiner Frau nach Oberhausen gezogen, aber dann ging es wieder zurück in die Heimat.

Wie Ginderich sich verändert hat, weiß Ralf Sundermann nur zu genau. „Früher gab es in jedem Haus ein Handwerk“, erinnert er sich, „heute muss man lange gehen, um eines zu entdecken.“ Zwei Schuhmacher sorgten einst dafür, dass die Gindericher gut besohlt durchs Leben gingen, es gab einen Milchladen, den man mit einer Kanne betrat, in die dann die Milch gepumpt wurde, und an der Schwanenhofstraße stand sogar eine Tankstelle.

Lang, lang ist’s her, doch das Angebot in Ginderich kann sich immer noch sehen lassen. Immerhin hat das Dorf das, was in anderen Dörfern schmerzlich vermisst wird: einen Edeka-Markt mit Bäckerei (lesen Sie dazu die folgende Seite). Darüber hinaus arbeiten hier unter anderem ein Raumausstatter und ein Dachdecker, ein Garten- und Landschaftsbauer, Schreiner und es gibt einen Blumenladen, einen Fahrradladen, ein Küchenstudio sowie einen Sattler. Und auch die Sparkassenfiliale ist zu bestimmten Zeiten besetzt. Apotheke und Ärzte sind im Nachbardorf Büderich zu finden und alles andere in Wesel oder Xanten, wo die Gindericher wahlweise hinfahren, denn die Entfernung ist nahezu identisch.

Ralf Sundermann ist Vorsitzender des Koordinierungsausschusses der Gindericher Vereine und gleichzeitig bei der Dorfschmiede aktiv, um die es zuletzt ruhig geworden ist. Dabei wirken alle mehr im Stillen, sagt der 49-Jährige. Das Thema Gastronomie und die künftige Nutzung der Grundschule beschäftigt die Vereine, die für größere Veranstaltungen keinen Platz mehr haben, weil die Gaststätte „Zur alten Post“ geschlossen ist. Ein Raumkonzept für die Schule wird erstellt, vielleicht könnte sie zu einem Bürgerhaus werden. Doch ist das auch eine Sache des Geldes, so dass man auf das Leader-Projekt setzt, um möglicherweise Fördertöpfe zu öffnen.

Karnevalssitzungen, die Pilgerparty und große Beerdigungsgesellschaften könnten hier einen Platz finden, sagt Sundermann, der ganz bewusst im Dorfladen einkauft. „Ich würde mir wünschen, dass das andere auch tun“, sagt er. Im Grunde komme man in Ginderich gut zurecht, findet der Ur-Gindericher, man müsse nur sehen, dass dies auch so bleibe. „Dann ist das schon ein lebenswerter Ort.“

Immerhin sind die länger leer stehenden Häuser inzwischen wieder bewohnt, und im Herbst soll mitten im Ort ein neues Wohnhaus entstehen. Dafür wird die Schule, die demnächst nur noch um die 60 Schüler hat und Zweigstelle von Büderich ist, über kurz oder lang schließen. Dennoch soll hier nicht der Spruch „Erst stirbt die Schule, dann das Dorf“ gelten. Dafür gibt es die Dorfschmiede, die an neuen Ideen schmiedet und Ginderich für alle attraktiv gestalten möchte. Dabei genießt Ralf Sundermann eines ganz besonders: den Ausflug ins Grüne, der gleich hinter der Kirche beginnt. Und das ist nur ein Vorteil, den das Landleben zu bieten hat...