Lahmes Netz lähmt Unternehmen

Vor allem wo es um große Datenmengen geht, ergeben sich Standort-Probleme, wie teils an der Rudolf-Diesel-Straße.
Vor allem wo es um große Datenmengen geht, ergeben sich Standort-Probleme, wie teils an der Rudolf-Diesel-Straße.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Die Ministerpräsidentin will freies WLAN für alle, die Städte wollen sich im Online-Zeitalter positionieren. Firmen geraten an Grenzen. Die Politik reagiert

Wesel..  Der TV-Werbespot mit den Geschäftsleuten, die wegen Internet-Problemen ein privates Wohnzimmer nutzen, könnte in Wesel entstanden sein. Denn die Kreisstadt ist in punkto schnelles Netz stellenweise ein weißer Fleck. Mit der Folge, dass manche Unternehmen in der Stadt bei der Datenübermittlung in massive Schwierigkeiten geraten. Von der NRZ damit konfrontiert, reagieren CDU und SPD und fordern die Stadtverwaltung zum Handeln auf. Die kündigt an, dies zu tun.

Besser im Wohnzimmer

Ein Problembereich ist die Rudolf-Diesel-Straße, an der etliche Firmen angesiedelt sind. Wer hier größere Datenmengen übermitteln möchte, braucht Geduld. Das gilt etwa für den Kühlturm-Hersteller M-CTI, über den wir an dieser Stelle kürzlich berichtet haben. Wollen die Konstrukteure ihrem finnischen Kunden eine 3-D-Darstellung schicken, könnten sie besser auf die andere Seite der B 58 wechseln, wie Geschäftsführer Peter Mumme sagt, und hier den erwähnten Wohnzimmer-Effekt anwenden, denn hier gebe es Privathaushalte mit schnellem Netzanschluss.

Auch anderen Unternehmen geht es so - in Obrighoven, im Buttendicksfeld, teils auch in Lackhausen und Blumenkamp. Als „Katastrophe“ bezeichnet der Diersfordter Claus Kölzer die Situation in seinem Stadtteil, die er schon vor gut acht Jahren in der NRZ beklagt hatte.

„Seit Jahren setzen wir uns vehement für eine Verbesserung ein“, sagt Johannes Opgen-Rhein, Wirtschaftsförderer im Rathaus. „Uns ist klar, dass das ein wesentlicher Standortfaktor ist.“ Es gebe „intensive Kontakte zu Telekom“ und eine Zusammenarbeit mit dem Kreis Wesel und anderen Kommunen im Kreis.

Der Landrat hatte die Thematik schon vor Jahr und Tag herausgestellt. Es gab eine Konzeption für den kreisweiten Ausbau. Dann wollte die RWE AG sich der Sache annehmen - in vier Bauabschnitten. Im ersten davon, in Hamminkeln, Hünxe und Schermbeck, passierte was. In Dingden, Loikum und Wertherbruch wurde die Firma Bornet aktiv. Im zweiten Abschnitt, der von Wesel bis Xanten, Alpen und Sonsbeck reicht, hapert es hingegen. In Büderich und Ginderich erwiesen sich Kooperationspartner als problematisch, und teils wurden gesetzte Quoten der Vorvermarktung nicht erreicht.

Auch die Deutsche Telekom ist im Kreisgebiet aktiv. Wenn sie seinen Glasfaser-Wunsch erfülle, werde das für ihn sehr teuer, sagt Peter Mumme. Die Verlegung von Kabeln in die Erde ist aufwendig. Allgemein heißt es, dass ein Kilometer 50 000 Euro koste.

Stadtverwaltung gefordert

Nach dem von Hannelore Kraft angekündigten „digitalen Aufbruch“ und der jüngsten Debatte über den Online-Handel hat die Junge Union ihre Forderung nach freiem WLAN-Zugang in der Innenstadt wiederholt. Gemeinsam mit der WWW/Piraten-Fraktion unterstützt die CDU im Rat diese Zielsetzung und bringt, ebenso wie die SPD, auch die Breitband-Versorgung in die Debatte. Sie haben Anträge an die Bürgermeisterin gerichtet, die Thematik in den anstehenden Ausschuss-Sitzungen zu behandeln. Dazu sollten auch Anbieter angesprochen und möglichst eingeladen werden, so die SPD.

Die Verwaltung reagiert bereits vorab: Sie will bei den hiesigen Unternehmend Bedarfe abfragen und Anbieter damit konfrontieren, wie Opgen-Rhein sagt.