Kunst im Garten

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Schermbeck..  Noch wird überall gearbeitet. Im Garten schaufelt sich ein Minibagger schnaufend durch das Erdreich. Neben dem Eingang entsteht ein Rosenpavillon – Besucher und Kunden schieben sich geschmeidig an Schubkarren und Wagenladungen Kies vorbei. Anita Wüstemeyer behält den Überblick. Sie ist überall gleichzeitig. Ihrer guten Laune tut das keinen Abbruch. „Vorher herrscht immer gepflegtes Chaos“, sagt sie. „Aber am Wochenende ist alles blitzblank.“ Traditionell nutzt die Brichter Baumschule die Zeit vor ihrer jährlichen Kunstschau für Verschönerungsarbeiten. Jetzt ist es wieder soweit: Der Rhododendron steht in satter Blüte – am Freitag treffen die Künstler mit ihren Werken ein.

Samstag und Sonntag öffnet die Baumschule Wüstemeyer ihren Garten für Besucher. Geboten wird ein Spaziergang zwischen Kunst und Natur. Rund 25 Kreative aus der gesamten Region stellen Arbeiten vor, darunter Neueinsteiger und bekannte Vertreter wie etwa der Gladbecker Bildhauer Klaus Greuel. Wieviel Werke zu sehen sind, kann Anita Wüstemeyer noch nicht sagen. 50 sicher, vermutlich aber sehr viel mehr. Nur soviel: Malerei ist ebenso dabei wie Skulpturen aus Stahlschrott, Glaskunst, Holzobjekte und Fotografie, außerdem gibt’s Schmuck und Deko-Artikel wie Stoffe und Hüte.

Blüten und Bilder

Rund 15 Mal öffnete die Baumschule Wüstemeyer ihre Pforten schon für die Kunst. Anita Wüstemeyer organisiert das Zusammenspiel jetzt zum zweiten Mal. Den Rahmen bildet ein Naturspaziergang, der kreuz und quer über das Gelände führt, durch einen üppigen Buchenbogen hindurch und ein Stück durch den Wald. Unterwegs ist überall Kunst zu sehen. Im Rhododendronfeld, diesem rot-rosa-pink-weißen Blütenmeer - zwischen Hecken, Gehölzen und Stauden, rund um die Bäume und auf eigens angelegten Feldern und Terrassen.

Im Geräteschuppen werden sich Marionetten tummeln – selbst die Schmuckdesigner breiten ihre Arbeiten im Grünen aus. Anita Wüstemeyer zeigt einen gewaltigen Mammutbaum, an den jemand ein Stück Baumscheibe gelehnt hat. Die Kunst des Zufalls. Daneben liegen Stämme, die seinerzeit dem Sturm zum Opfer fielen. „Die könnten sich als Sitzbänke eignen“, überlegt Anita Wüstemeyer laut.

Wir passieren einen Berg Schilder mit dem Schriftzug „Rundweg“. Auch die gilt es noch aufzustellen. Anita Wüstemeyer hat ein genaues Konzept im Kopf. Vielfältig soll die Schau sein, für jeden etwas bieten. Dabei liegt ihr als Floristin und Gartengestalterin die Kunst ebenso am Herzen wie die Natur: Beides hat mit Ästhetik, Form und Farbe zu tun und lässt sich folglich gut kombinieren. Und überhaupt: „Wieso sollten Ausstellungen immer in geschlossenen Räumen stattfinden?“

In ihrem Job beobachtet Anita Wüstemeyer, dass sich viele Menschen immer weiter von der Natur entfernen. „Man sieht auch kaum noch Kinder draußen spielen.“ Hier will sie ansetzen und ein Bewusstsein für die Umwelt schaffen. Sie weist auf einen winzigen Rhododendron, ein paar Meter weiter blüht ein baumgroßer Kollege, „hier bei uns kann man gut sehen, was aus kleinen Pflänzchen werden kann“.

Anita Wüstemeyer und ihr Mann Bert haben alles im Blick. Bei Regen ziehen die Künstler um in die Gewächshäuser, obwohl das natürlich schade wäre. Für eine Stärkung zwischendurch werden Kaffee und selbstgebackener Kuchen angeboten.

Und auch die kleinsten Besucher kommen auf ihre Kosten. Sie können Tiere bestaunen. Schafe sind auf jedem Fall vor Ort, mit ein bisschen Glück sogar Lamas. Wie auf Stichwort stakst ein Hahn aus dem Unterholz. Wo bleiben sie nur, die Gäste ...?