Kreisliga-Fußballer wegen Körperverletzung verurteilt

Auf Asche Fußball zu spielen ist schon manchmal kein Vergnügen, wenn es dann auch noch zu Körperverletzungen kommt, hört der Spaß aber auf.
Auf Asche Fußball zu spielen ist schon manchmal kein Vergnügen, wenn es dann auch noch zu Körperverletzungen kommt, hört der Spaß aber auf.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Ein Spielabbruch führte 2014 zu heftigen Tumulten. Drei Kreisliga-C-Spieler von Viktoria Wesel rasteten aus, schlugen und traten ihre Gegenspieler.

Wesel/Hamminkeln.. Dass Geschehnisse, die während eines Fußballspiels auf dem Platz passieren, vor einem ordentlichen Gericht landen, ist äußerst selten. Am Montag musste sich das Weseler Schöffengericht allerdings mit einem Fall aus der untersten Fußballklasse beschäftigen, der bereits anderthalb Jahre zurückliegt. Ein Spieler des C-Liga-Teams Viktoria Wesel II musste sich wegen einer Körperverletzung, zwei seiner Mitspieler sogar wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Laut Anklage hatten alle drei am 31. August 2014 auf dem Aschenplatz an der Bergstraße in Brünen gegnerische Fußballer durch absichtliche Schläge und Tritte verletzt. Nach mehr als vierstündiger Verhandlung sprach das Gericht das Trio schuldig. Ein 26-Jähriger Familienvater aus Wesel wurde wegen Körperverletzung zu 40 Tagessätzen á zehn Euro verurteilt. Bei seinen beiden Teamkollegen sah der Richter eine gefährliche Körperverletzung in minderschwerem Fall als erwiesen an. Einem 30-Jährigen, der bereits wegen einer Gewalttat vorbestraft war, brummte das Gericht eine viermonatige Strafe zur Bewährung auf, er muss außerdem 500 Euro an die Staatskasse sowie 100 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen. Zudem wird ihm während der Bewährungszeit von drei Jahren ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Täter Nummer drei, ein bisher unbescholtener Student, erhielt ebenfalls vier Monate auf Bewährung – er muss zudem 300 Euro aufbringen.

Prozess-Panne: Schiedsrichter als Zeugen vergessen

Dass neun der zehn geladenen Zeugen die Geschehnisse auf dem Fußballplatz eindeutig durch die „Vereinsbrille“ sahen und doch recht unterschiedlich darstellten, überraschte wenig. Für großes Unverständnis sorgte aber, dass der vorsitzende Richter den vermutlich einzigen „neutralen“ Zeugen – den Schiedsrichter der Begegnung – zunächst vergaß und diesen erst nach dem Hinweis eines zuvor befragten Spielers doch noch in den Zeugenstand rief.

Prozess Die Aussage des 71-jährigen Unparteiischen blieb jedoch enttäuschend. Der Spielleiter war wohl völlig überfordert und hatte das von Beginn an hitzige Spiel nach eigenen Angaben kurz vor Schluss abgebrochen, weil ein Spieler einen anderen gefoult hatte, obwohl er beiden Spielführern Minuten zuvor erklärt hatte, bei der „nächsten Kleinigkeit“ das Spiel abzubrechen. Weil er während der anschließenden „Rudelbildung“ mitten im Geschehen gestanden habe, habe er nicht mehr genau sehen können, was um ihn herum alles passiert, so der Referee.

Weseler Spieler trat in Kung-Fu-Manier zu

Dieser Spielabbruch in der 88. Minute führte dann unstrittig zu heftigen Tumulten auf dem Spielfeld, in deren Rahmen – nach Ansicht des Gerichts – erwiesenermaßen ein Viktoria-Kicker einem Gegner einen Schlag gegen der Kopf versetzte. Ein weiterer Weseler Spieler trat einem Brüner in Kung-Fu-Manier gegen den Oberarm, der dritte Gäste-Akteur streckte einen Gegner zu Boden und trat anschließend mit dem Fußballschuh zu.

Die drei Angeklagten beteuerten ihre Unschuld, gaben zudem an, zuvor fremdenfeindlich beleidigt worden zu sein.

Dass es mehrfach zu Beleidigungen und Drohungen – überwiegend von außerhalb des Spielfeldes gekommen sei, belegten fast alle Zeugenaussagen. Nur der Schiedsrichter gab an, davon nichts mitbekommen zu haben.