Koran als Geburtstagsgeschenk

Wilhelm Schulte-Mattler (Mitte) überreichte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp das Werk, das Stadtarchivar Dr. Martin Roelen (links) erläuterte.
Wilhelm Schulte-Mattler (Mitte) überreichte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp das Werk, das Stadtarchivar Dr. Martin Roelen (links) erläuterte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wilhelm Schulte-Mattler überreicht der Stadt Wesel anlässlich seines 80. Geburtstags ein besonderes restauriertes Werk.

Wesel..  Mit 80 schenke man lieber als beschenkt zu werden, sagt Wilhelm Schulte-Mattler. Und so machte er gestern, als er diesen runden Geburtstag mit früheren Weggefährten, einstigen Klassenkameraden und anderen Gästen feierte, der Stadt ein besonderes Geschenk: Einen 1543 erschienenen, auf seine Kosten frisch restaurierten Band mit aktuellem Bezug. Die darin enthaltene erste Koran-Übersetzung ins Lateinische schuf eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Gelehrten mit dem Koran befassten. Und er enthält auch mehrere Abhandlungen zu dessen Widerlegung.

Ein Reizthema war das schon damals. Der Drucker in Basel wurde für einige Zeit inhaftiert, weil er den Rat der Stadt nicht um Erlaubnis gefragt hatte. Der sah in der Veröffentlichung „eine eventuelle Gefahr für das gemeine Volk“, wie Stadtarchivar Dr. Martin Roelen erläutert. Es bedurfte der Autorität Martin Luthers, damit die Druckerlaubnis schließlich doch erteilt wurde. Der Reformator meinte, so Roelen, man schade damit den Türken - wegen der darin enthaltenen Lügen. Eine der Widerlegungen übersetzte Luther ins Deutsche. Größere Probleme im Umgang mit dem Koran-Buch hatte der Papst: Er ließ die in Venedig vorhandene Auflage verbrennen.

Randnotizen von Heresbach

Diesen Hintergrund erfuhren die Geburtstagsgäste bei einem Empfang im Stadtarchiv, bei dem Wilhelm Schulte-Mattler das von Theodor Bibliander herausgegebene und jetzt von Gisela Wächter restaurierte Werk der Bürgermeisterin überreichte. Es enthält Randnotizen von Konrad Heresbach, dessen sorgsam gepflegte Bibliothek mit 320 Bänden nach seinem Tod 1576 in die Kapelle des Willibrordi-Doms gelangte, was einen der Heresbach-Nachfahren aufregte: Hier mache man Küster zu Bibliothekaren, klagte er.

Während des Zweiten Weltkrieges in einen Salzstock ausgelagert, wanderte der Bestand ins Türmchen des Gymnasiums (heutiges Amtsgericht), dann in den Rathaus-Keller. All dies tat den Büchern und Schriften nicht gut. Mit dem Wechsel ins Stadtarchiv 1978, der Eröffnung der Restaurierungswerkstatt und vor allem mit der von Wilhelm Schulte-Mattler und der damaligen Stadtarchivarin Jutta Prieur-Pohl 1994 gestarteten Heresbach-Rettungsinitiative brachen bessere Zeiten an. In den 20 Jahren seither wurden mehr als 50 beschädigte Werke restauriert und rund 120 000 Euro an Spenden dafür gesammelt. Vier dieser Patenschaften übernahm Wilhelm Schulte-Mattler, dem Bürgermeisterin Ulrike Westkamp für den jahrzehntelangen Einsatz für seine Heimatstadt ebenso dankte wie seiner Frau Marianne für deren Unterstützung.

Das Wertvollste dieser Stadt

„Es ist schön, wenn man für die Stadt etwas tun kann, das man auch sieht“, sagte der 80-Jährige. Das Stadtarchiv sei sein liebster Aufenthaltsort. Dort befasst er sich mit dem „Wertvollsten, was die Stadt Wesel in ihren Mauern beherbergt“. Er appellierte an alle, für die Bewahrung dieses Schatzes zu spenden. Auch kleine Beträge würden gerne genommen. Jeder könne sich so „ein kleines Denkmal setzen“.