Kinderschutzbund ausgezeichnet
26.01.2011 | 17:43 Uhr 2011-01-26T17:43:00+0100
Wesel.Mit seinem Engagement hat der Kinderschutzbund überzeugt: Er wurde jetzt für seine Hausaufgabenhilfe mit dem Preis Kinderfreundliches Wesel ausgezeichnet.
Die Tür steht jedem offen, immer dienstags von 15 bis 18 Uhr werden unterm Dach des Kinderschutzbundes am Großen Markt Fragen beantwortet, wird Hilfe gegeben. Mädchen und Jungen nehmen den Fahrstuhl in die vierte Etage, setzen sich an einen der vier Tische, packen ihre Schulsachen aus und legen eine Sonderschicht ein. Unter Aufsicht von Winfried Gaede und Alfred Esch machen sie hier ihre Hausaufgaben. Gibt es Probleme, haben die Schüler Fragen, helfen die beiden Herren. Die Hausaufgabenhilfe des Kinderschutzbundes ist gefragt und wird anerkannt. Der Kreis zeichnet das Angebot am Montag mit dem Ehrenpreis „Kinderfreundlicher Kreis Wesel“ aus.
Ehrenamtler
„Das Angebot ist durch die Idee des Vorstandes entstanden“, berichtet Ursula Bzodek, die die Pädagogische Lernhilfe des Kinderschutzbundes leitet. In der NRZ wurde inseriert, wurden ehrenamtliche Helfer gesucht, die sich um Kinder und Jugendlichen kümmern wollen. Zwei haben sich gemeldet, keine pensionierten Lehrer, wie man vermuten könnte.
Weil Eltern oft nicht die passenden Antworten und Hilfen auf Fragen zu den Hausaufgaben finden, bietet der Kinderschutzbund die Hausaufgabenhilfe an. Ohne lange Wartezeiten und ohne vertragliche Verpflichtungen wird Nachhilfe in Deutsch, Mathematik und Latein angeboten. Außerdem gibt es Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Unterstützung bei Referaten. Eine kurze Voranmeldung über die Verwaltung des Kinderschutzbundes ist erforderlich. Pro Teilnehmer wird eine Gebühr von zwei Euro erhoben, die direkt am Nachmittag bezahlt werden muss. Weitere Informationen gibt es unter der Rufnummer 0281/339500.
Zwei Diplom-Ingenieure haben sich von der Anzeige angesprochen gefühlt. Seit gut einem Jahr stehen Winfried Gaede (75) und Alfred Esch (65) dienstags den Schülern zur Seite. „In unserer Arbeit mit Familien haben wir gemerkt, dass die Kinder eine Aufsicht brauchen, dass man sie nicht mit den Hausaufgaben alleine lassen darf. Es gibt natürlich viele Angebote für Nachhilfe, doch sie sind teuer, das kann sich nicht jeder leisten“, berichtet Ursula Bzodek. Und so hat sich der Kinderschutzbund entschlossen, die Hausaufgabenhilfe anzubieten.
„Ich bin mit 60 Jahren vorzeitig in Ruhestand gegangen. Nach einer gewissen Zeit hatte ich das Bedürfnis, noch etwas Sinnvolles zu machen“, beschreibt Alfred Esch seine Motivation. In der Zeitung habe er die Anzeige des Kinderschutzbundes entdeckt und sich gemeldet. Hausaufgaben, Pauken für eine Arbeit, das kenne er von seinen eigenen Kindern.
Lebenserfahrung
Ihm gehe es darum, die Kinder und Jugendlichen zu unterstützen, um sie zu fördern. Und die beiden Helfer lernen selbst noch dazu: Als sich ein Jugendlicher meldete, der Hilfe in Französisch benötigte, wurde er nicht abgewiesen. „Ich hatte lediglich einen Crash-Kurs, das war eine kleine Herausforderung für mich“, erzählt Gaede. Gemeinsam wurde an den Nachmittagen der geforderte Stoff erarbeitet. Am Ende wusste der Schüler, wie man die Regeln und Vorgaben einsetzen muss. Man bekomme von den Schülern etwas zurück, meint Gaede. Und: „Es erfreut einen, wenn man als Rückmeldung bekommt, dass die Kinder mit mehr Interesse in der Schule mitmachen.“
Über die Auszeichnung, die der Kinderschutzbund erhält, habe man sich gefreut. „Wir machen es nicht der Auszeichnung wegen, wir wollen den Kindern helfen“ betont Winfried Esch seine Motivation, dienstagsnachmittags noch mal die Schulbank zu drücken, in die Mathematik der siebten oder neunten Klasse einzutauchen. Hinter der Hausaufgabenhilfe steht kein Zwang. Wenn jemand sagt, er will nicht mehr, wird gewartet. Es kann ein Spiel gespielt werden. Bis wieder genügend Kraft für die Hausaufgaben vorhanden ist. Mit der Zeit bauen Helfer und Kinder ein richtig vertrautes Verhältnis auf. Für einige sind die beiden Männer Vater- oder Opa-Ersatz.
Nicht nur sie hatten sich auf das Zeitungsinserat des Kinderschutzbundes gemeldet. Doch viele wollten am Vormittag aktiv werden. Dass sich pensionierte Lehrer engagieren, sei eine Wunschvorstellung. Aber vielleicht meldet sich ja noch der eine oder andere, meint Bzodek. Von den Bewerbern wird Lebenserfahrung und ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt.
Hilfsangebot
Der Kinderschutzbund ist daran interessiert, weitere Helfer zu gewinnen, denn die Anzahl der Kinder die zurzeit betreut werden kann, ist begrenzt. Wenn alle vier Tische besetzt sind, werde es ein bisschen unruhig, sagt Bzodek. Deshalb möchte der Verein, an weiteren Nachmittagen Hilfe anbieten.
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