Keiner zu Hause!

Hereinspaziert – so ein voller Briefkasten ist eine Einladung für Einbrecher.
Hereinspaziert – so ein voller Briefkasten ist eine Einladung für Einbrecher.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Wer Diebe nicht mit vollem Briefkasten locken möchte, kann die Post während des Urlaubs sammeln lassen. Dieser „Lagerservice“ ist seit dem 1. Juli deutlich teurer

Wesel..  Von einem überquellenden Briefkasten hat so mancher in den vergangenen Wochen geträumt. Zumindest dann, wenn nicht nur Rechnungen und Werbung, sondern auch Schönes im Kasten erwartet wurde. Doch nicht nur die Betroffenen des Poststreiks haben sich nach diesem Anblick gesehnt. Alle Jahre wieder freuen sich auch Einbrecher über ein solches, deutlich sichtbares Zeichen dafür, dass keiner zu Hause ist.

Deshalb bietet die Post für Urlauber einen „Lagerservice“ an. Sabine Jansen aus Wesel nutzt das schon seit Jahren. „Ich bin viel auf Reisen und so kann ich sicher sein, dass sich in meinem Briefkasten nichts ansammelt.“ Der Zusteller behält die Post während der Ferienzeit und bringt sie nach der Rückkehr ins Haus.

So weit, so praktisch. Allerdings ärgert sich die Weselerin, die in den nächsten Wochen wieder verreisen möchte, darüber, dass dieser Service der Post jetzt plötzlich teurer geworden ist. „Ende Mai habe ich dafür noch 8,20 Euro gezahlt und jetzt sind es schon 9,90 Euro. Das sind mal eben 20 Prozent mehr“, hat Sabine Jansen ausgerechnet und nennt es „Abzocke“. Trotzdem hat sie den Lagerservice wieder gebucht. „Diesmal bin ich leider darauf angewiesen, aber vielleicht organisiere ich das beim nächsten Urlaub lieber anders.“

Rainer Ernzer von der Pressestelle der Post hatte von der Erhöhung, die seit 1. Juli gilt, noch gar nichts mitbekommen. In seiner aktuellen Preisliste standen gestern noch 8,20 Euro. Dennoch verteidigt er die seit zehn Jahren erste Preiserhöhung. „Hier geht es einfach um einen Mehraufwand“, so Ernzer. „Die Kunden müssen dann selber abwägen, ob sie das Geld für unseren Service ausgeben wollen oder nicht.“

Während der Urlaubszeit werde der Lagerservice in der Regel viel genutzt. Was man in den Zustellstützpunkten laut Ernzer zurzeit an den Regalen erkennen kann. Denn die Briefträger haben gut sichtbare „Lagerkarten“ an den Steckfächern – als Merkhilfe, damit die Post nicht versehentlich doch ausgetragen wird.

Anschauen dürfen wir uns das zurzeit übrigens leider nicht. Die Türen der Zustellstützpunkte bleiben für Neugierige geschlossen, da die Mitarbeiter so kurz nach dem Streikende keinen Kopf für Besucher haben. Die Post hatte zwar seit Wochen betont, dass 80 Prozent aller Sendungen zugestellt würden, aber offenbar gibt es nun doch reichlich nachzuarbeiten.

Liebe Einbrecher: Vor- und Zuname mit der Auskunft, dass die Dame bald in den Urlaub fährt, sind natürlich genauso verlockend wie ein überquellender Briefkasten. Deshalb haben wir den Namen geändert und Sabine Jansen heißt in Wirklichkeit ganz anders. Der richtige Name ist der Redaktion bekannt.