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Schwiegertochter Claudia Gliese und Irma Gliese-Schmitz (rechts) in der Tiefgarage.
Schwiegertochter Claudia Gliese und Irma Gliese-Schmitz (rechts) in der Tiefgarage.
Foto: FUNKE Foto Services
Altengerechtes Wohnen könnte so schön sein. Wenn an Ladestationen für Scooter gedacht würde. Irma Gliese-Schmitz kämpft in Schermbeck seit acht Monaten um eine Steckdose in der Tiefgarage. Ohne eine solche Ladestation ist die 75-Jährige alleine nicht mobil.

Schermbeck..  Barrierefrei – so sollte die Wohnung sein, die Irma Gliese-Schmitz vor zwei Jahren gesucht hat. Damals ist die 75-Jährige aus Wesel nach Schermbeck gezogen, um nach dem Tod ihres Mannes näher bei Sohn und Schwiegertochter zu wohnen. Glücklich war sie über die altengerechte Wohnung, die sie an der Weseler Straße fand. Mit Aufzug, schöner Aussicht, zentraler Lage und einer Tiefgarage, um den für sie mittlerweile so wichtigen Elektro-Scooter abzustellen. Denn Irma Gliese-Schmitz hatte als Zweijährige Kinderlähmung und kann sich jetzt, im Alter, nicht mehr lange auf den muskelgeschwächten Beinen halten.

Eine ideale Wohnung also für die 75-Jährige, wäre da nicht die Sache mit der Steckdose. Seit acht Monaten kämpft sie darum, dass der Scooter in der Tiefgarage auch geladen werden kann. Es geht nicht um Geld. Bezahlen will die Mieterin den Strom, den ihr Gefährt verbraucht. Das Problem ist, dass es an ihrem Stellplatz keine Steckdose gibt. Und dass zwei andere Bewohner, die ihre Elektrogefährte in der Garage laden, die Zugezogene laut Irma Gliese-Schmitz nicht mit an ihre Steckdosen lassen wollen.

„Wir haben hier schon alle Hebel in Bewegung gesetzt“, sagt Schwiegertochter Claudia Gliese, die fassungslos darüber ist, dass sich seit acht Monaten nichts tut. Sie hat mit Hausverwaltung, Politikern, Behindertenbeauftragten und dem Bürgermeister diskutiert. Dabei ist sie mit ihrer impulsiven Art mit dem ein oder anderen aneinandergeraten. „Ich will doch nur, dass meine Schwiegermutter mobil ist.“ Ohne den fahrbaren Untersatz ist Irma Gliese-Schmitz nämlich nicht in der Lage, sich alleine weit von ihrer Wohnung zu entfernen. „Ich möchte so gerne mal Schermbeck erkunden und hier am ganz normalen Leben teilnehmen.“

Der Bürgermeister kann ihr dabei nicht helfen. „Ich habe das versucht, aber das ist eine privatrechtliche Sache“, sagt Mike Rexforth. Die Eigentümergemeinschaft des Wohnhauses muss in ihrer nächsten Sitzung darüber entscheiden, ob sie in eine neue Elektroleitung investiert. Denn an Ladeplätze war beim Bau der altengerechten Wohnungen nicht gedacht worden. Ein Fachmann hat sich die Sache laut Hausverwaltung jetzt angeschaut und festgestellt, dass die vorhandenen Steckdosen in der Tiefgarage für das Laden der Scooter sowieso nicht ausgelegt sind. Also auch nicht für die anderen Bewohner, die hier regelmäßig Strom zapfen.

„Uns wird seit Monaten versprochen, dass die Sache auf der Eigentümerversammlung besprochen wird. Aber es passiert nichts“, ärgert sich die Schwiegertochter.

„Das hat sich leider aus verschiedenen Gründen verzögert“, sagt Hausverwalter Peter Schulte. Einen konkreten Termin kann er zwar immer noch nicht nennen, aber nach dem 15. Juni soll es bald so weit sein. Die Sache mit den Scootern, das versichert er, steht auf der Tagesordnung.

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