Karl kämpft mit dem Kohl

Die Kochmänner Eckhard Grunewald, Karl-Dieter Warich, Martin Schliewe, Jan Büttgen und Michael Knoll (von links) in Aktion.
Die Kochmänner Eckhard Grunewald, Karl-Dieter Warich, Martin Schliewe, Jan Büttgen und Michael Knoll (von links) in Aktion.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Ein Blick über die Schultern beim Schermbecker Männerkochclub Sankt Georg. 15 Männer zwischen Mitte 30 und 70 stellen sich seit zehn Jahren freiwillig an den Herd und kreieren Köstlichkeiten.

Schermbeck..  Karl macht Pause. Unfreiwillig. Anderthalb Kilo Kohl hat er in Streifen geschnitten und jede Menge Speck in Würfel. Jetzt befindet sich der Mann mit dem Schnurrbart und der gestreiften Schürze in der Warteschleife. Bevor das Fleisch für den Hauptgang nicht brät, kann er auf seinem Beilagen-Posten nicht starten. So eine Küche will gut organisiert sein, und heute steht beim Schermbecker Männerkochclub Sankt Georg ein Festgericht auf dem Programm: das Jahresabschlussmenü. Ein Abend mit Karl-Dieter, Jan, Eckhard, Michael und Martin. Denn hier am Topf ist man schnell per Du.

Es ist der zweite Donnerstag im Monat, 19 Uhr. Die Küche des Jugendheimes ist fest in Männerhand. Einige haben abgesagt, nur fünf sind gekommen. Normalerweise knubbeln sich am Herd durchschnittlich neun Köche, berichtet Michael Knoll als Sprecher der Truppe. Die Treffen sind beliebt. Gemeinsam wird ein anspruchsvolles Mehrgang-Menü zubereitet und gegessen. Gerade denkt man darüber nach, sich einheitliche Kochjacken zu besorgen.

Hobby-Köche, aber oho

Der Club geht ins elfte Jahr. 15 Männer machen mit, alle zwischen Mitte 30 und 70. Michael ist ein Gründungsmitglied. Er erzählt vom Anfang. Im Januar 2005 riefen einige Schermbecker einen reinen Männerkochclub ins Leben. Ziel war es, jungen Kerlen den Weg zum Topf schmackhaft zu machen. Mit dabei war damals der Koch Karl-Gerd Hülsmann. Der erste und letzte Profi.

Die jetzigen Mitglieder sind durchweg Hobby-Köche, wobei zum fünften Jubiläum ein „Best of“-Kochbuch mit Menüs entstand, das sich 700 Mal verkaufte, und allein der heutige Speiseplan eher für eine Sterne-Küche spricht. Es gibt winterlichen Birnensalat mit Nüssen, Rehgulasch mit Speck und Rotweinsauce, selbstgemachte Tagliatelle, geschmorten Spitzkohl mit Speck. Und als Nachspeise Lebkuchenmousse auf Karamellsauce, Himbeersoufflé und Glühwein-Kirsch-Tiramisu.

Michael hat Kopien der Rezepte an die Schränke gepinnt. Das macht er immer so; jeweils zwei oder drei Männer kümmern sich um einen Posten. So weiß jeder, was er zu tun hat. Die Köche sind hochkonzentriert. Gegen 21 Uhr wollen sie essen. Das ist in anderthalb Stunden.

Aus den Boxen wummern AC/DC, „Highway to Hell“, dann Thin Lizzy, „Whiskey in the Jar“. Jan mit der schwarzen Kochjacke wippt mit. Er ist Hauptgang-Beauftragter und widmet sich dem Rehgulasch mit Hingabe. Im Topf schmoren Rosmarin, Lorbeer und Wacholderbeeren mit Rotwein und Wildfond um die Wette. Jetzt braucht das Ganze Zeit und Ruhe. Wir schmecken ab. Köstlich!

Michael hat seinen Nachtisch voll­endet. Jetzt räumt er auf. Sobald etwas nutzlos herumliegt, ist es auch schon weg. Zum Glück hat die Küche eine Spülmaschine. In der Mitte thronen zwei Mülltonnen.

Die Vorbereitung des monatlichen Kochabends läuft immer gleich, erzählt Michael. Vor dem Treffen sammeln die Männer Ideen, daraus entsteht ein fertiges Rezept. Gewürze, Balsamico, Olivenöl, Gelatine und Co. sind als Grundstock vorhanden, die übrigen Zutaten werden frisch gekauft. Michael präsentiert eine zweite Kiste. Im Laufe der Jahre wurden Geräte angeschafft, die eine Luxus-Küche adeln würden. „Am Anfang haben wir die Sahne mit der Hand geschlagen“, erinnert er sich. „Aber da sind uns auch noch Steaks misslungen.“

Entweder kochen oder backen

Von solchen Pannen ist man heute weit entfernt. Nur Spätzle finden die Köche immer noch kompliziert. Inzwischen läuft Status Quo, „Rockin’ All Over the World“, auch so ein Jungs-Ding. Die Männer haben ein Bier geöffnet. Mit den schnibbelnden, rührenden, räumenden Händen rattern auch die Mundwerke.

Die fünf, von Beruf Informatiker, Feuerwehrmann oder Rentner, kennen sich schon lange. Jan hat für seine Freundin mal ein ganzes Buffet zubereitet. Kuchen kann er nicht: „Man kann entweder kochen oder backen.“ Daheim habe er den Herd halb übernommen, sagt Michael. „Meine Frau kocht die Klassiker, ich bin für die Spezialitäten zuständig.“

Karl, eigentlich Karl-Dieter, der mit dem Schnurrbart, schmort jetzt Speck und Kohl. Zwischendurch hat er flink eine Schüssel Wallnusshälften sortiert. Die guten sind zum Verzieren des Birnensalats gedacht, die bröseligen werden geröstet.

Queen spielen „We Are the Champions“, das Team liegt in den letzten Zügen. Martin hat noch eine Frage: „Kommt jetzt die Sahne in die Mousse oder die Mousse in die Sahne?“ Michael zeigt’s: Sahne voooorsichtig unterheben. Beim Kochen geht es um Details. Und mitunter steckt der Teufel im Schneebesen.