Jugendliche möbeln einen Waggon auf
14.02.2012 | 18:44 Uhr 2012-02-14T18:44:00+0100
Wesel. Waggontausch beim CJD-Berufsförderungszentrum: Junge Erwachsene haben einen Güterwagen im Projekt „Unter Dampf“ mühevoll saniert.
So soll er später mal aussehen. Ein Vorher-Nachher-Bild können sich die jungen Leute schon mal machen, während der frisch restaurierte grüne Waggon mit Hilfe eines Krans auf einen Tieflaster gehoben wird. Direkt daneben steht nämlich ein ziemlich ramponiertes Teil, das nun während der dritten Phase des Projektes „Unter Dampf“ beim CJD-Berufsförderungszentrum in Wesel in mühevoller Kleinarbeit aufgemöbelt werden soll.
Thomas Lusch, Schriftführer im Verein Historischer Schienenverkehr Wesel (HSW), ist ganz begeistert von dieser Kooperation. Der grüne Güterzugbegleitwagen, wie der Waggon aus dem Jahr 1883 im Fachjargon der Eisenbahner genau heißt, ist das zweite Fahrzeug, das während des im Jahr 2009 ins Leben gerufenen Projektes entstanden ist. Die jungen Erwachsenen, die in so genannten Arbeitsgelegenheiten des Jobcenters im Rahmen dieser berufsvorbereitenden Maßnahme qualifiziert werden, haben seit Juli 2010 den Waggon von Grund auf saniert. So musste das komplette Eisenwerk entrostet werden - eine Arbeit, die allein zwei Monate dauerte. Fehlende Teile wurden eingeschweißt, im hinteren Teil mussten alle Holzteile erneuert werden, berichtet Robert Koslowski. Der Tischler und Metallbauer ist für die Praxis verantwortlich.
Hand in Hand
Sozialpädagogin Rebecca Zeithamel betreut die jungen Leute im Alter von 18 bis zu 25 Jahren aus Wesel und Umgebung während des Projektes. Ziel des Berufsförderungszentrums ist eine Vermittlung der Teilnehmer in einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Dass sich das leichter durch die tägliche Arbeit an einem konkreten Objekt bewerkstelligen lässt, liegt auf der Hand. Beim Umgang mit Werkzeugen und Materialien aus dem Metall- und Holzbereich sowie der Oberflächenbearbeitung stellen die Jugendlichen rasch fest, wo ihre persönlichen Begabungen und Vorlieben liegen.
Die Mitglieder des Vereins Historischer Schienenverkehr arbeiten mit den jungen Leuten und den Ausbildern des CJD Hand in Hand, berichtete Thomas Lusch. Der HSW hat einige solcher alten Waggons in seinem Bestand. Gestern wurde ein Güterwagen (G 10), Baujahr 1908, auf das Gelände des Zentrums an der Alten Delogstraße gebracht, der nun restauriert wird. Den sanierten Waggon stellte der Kran an der Reeser Landstraße wieder auf die Schienen, damit er anschließend zum HSW-Domizil gezogen werden konnte. Der Verein will nun versuchen, ihn wieder ans Laufen zu bringen. Dafür ist jedoch zunächst eine kostspielige TÜV-Untersuchung erforderlich. „Mir müssen erst schauen, dass wir dafür die finanziellen Mittel zusammenkriegen“, so Lusch.
Super-Projekt
„Für uns ist das ein Super-Projekt, das absolut arbeitsmarktnah gestaltet ist“, betonte gestern Anke Weppler vom CJD. Darüber hinaus identifizierten sich die Teilnehmer mit der Arbeit - und mit dem Erfolg. Dass die jungen Leute mit ihrem Engagement etwas bewegen, passt nach ihrer Meinung perfekt zum Motto, das sich das Berufsföderungszentrum im gerade begonnenen Jubiläumsjahr gegeben hat: „30 Jahre in Bewegung“.
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