Jetzt plant er seine Freizeit

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Wesel..  Würde nicht gebaut - es herrschte Stillstand in der Stadt. Rückschritt gar, Verfall. Verkehrschaos inklusive. Stadtentwicklung heißt der Bereich, den Michael Klessa im Rathaus leitet, und das besagt, dass er eben diese Entwicklung mitgeprägt hat. Bis heute. Mit 61 Jahren hört er auf, baut nun ganz auf Familie und Freizeit.

Planen, gestalten, kreativ sein - das klingt schön. Und das war es auch für ihn. Er war daran beteiligt, endlich das langwierige Thema Bahnhof in den Griff zu bekommen und die Innenstadt durch die neue Fußgängerzone aufzuwerten. Aber ein großer Teil seiner täglichen Arbeit und der seiner Mitarbeiter blieb für Außenstehende unsichtbar: die ständigen Planungen, Abgleichungen mit Vorschriften, Abstimmungen mit Behörden.

1972, an seinem 18. Geburtstag, hat seine Verwaltungslaufbahn in Rheinkamp angefangen. Da haben sie ihn unter anderem deshalb genommen, weil er eine so schöne Schrift hatte und gerne Tabellen anlegte. Der Liebe wegen wechselte der Inspektor-Anwärter nach Wesel, war zwischenzeitlich mal Hünxer, „rutschte“ in den höheren Dienst, wie er sagt, wurde nach den Anfängen im Sozialamt, nach Ordnungsamt und Hauptamt Leiter der Bauordnung.

Dieser Job hat auch seine weniger angenehmen Seiten, weil halt nicht jeder bauen darf wie er möchte. Die Bürgermeisterin lobt Michael Klessas Fingerspitzengefühl. Wenn er nein habe sagen müssen, habe er es dabei nicht belassen, sagte SPD-Politiker Ludger Hovest zu seiner Verabschiedung. Er habe die Bürger beraten, Lösungswege aufgezeigt. Meist sei er am Ende auf Verständnis getroffen, sagt Klessa.

Das Aufgabenspektrum ist gewachsen, und es ist enorm komplex. Eine attraktive, lebenswerte Stadt ist das Leitbild, für das es ein Stadtentwicklungs- und ein Innenstadtkonzept gibt, das aber immer wieder Neuem anzupassen ist. Grundstücksfragen, Wohnraum und Wohnqualitäten, Nahversorgung, Infrastruktur, Verkehrsanbindungen und -aufkommen - all dies gilt es zu bedenken, abzuwägen, anzupassen. Bis hin zum Denkmalschutz reicht das. Und immer wieder gibt es neue Aufgaben: Windkraftanlagen etwa oder die Südumgehung. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mit allem fertig bin“, sagt Michael Klessa.

Bei seiner Verabschiedung während seiner letzten Ausschusssitzung am Mittwoch im Ratssaal wollte er eigentlich nichts sagen, aber dann war es ihm wichtig, seinen rund 50 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu danken, von denen Martin Prior sein Nachfolger ist.

Er sei zufrieden mit dem, was sich in Wesel entwickelt habe, sagt Michael Klessa, der nun die Natur vor der Haustür in Flüren genießt, mehr Zeit für Familienbesuche hat und mit seiner Frau drei Wochen lang durch Spanien pilgern will. „Für dieses Jahr ist schon alles geplant“, sagt er, der Planer.