Innungen: Kein Problem mit Mindestlohn

Kein Problem mit dem Mindestlohn: Marc Rütter, Friseur in Brünen, und seine Kollegin Carina Radscheid.
Kein Problem mit dem Mindestlohn: Marc Rütter, Friseur in Brünen, und seine Kollegin Carina Radscheid.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Friseure, Maler und auch die Gastronomen im Kreis Wesel sagen, die bestehenden Tarife fingen die Neuregelung auf. Sie fordern Kontrollen durch den Zoll.

Kreis Wesel..  „Man muss mit seinem Monatslohn auskommen können. Alles andere wäre unchristlich“, sagt Josef Lettgen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft für den Kreis Wesel und begrüßt die Einführung des Mindestlohns zum Jahresbeginn. Wie er sehen auch die Obermeister verschiedener betroffener Innungen dadurch keine Probleme für die ihnen angeschlossenen, nach Tarif zahlenden Betriebe. Ein Dorn im Auge sind ihnen die „schwarzen Schafe“.

Günter Bode, Kreishandwerksmeister, Innungsobermeister der Maler und Lackierer, weist für seine Branche auf über dem Mindestlohn liegende Tarife hin. Aber es gebe einen „riesigen grauen Markt“. Wie er spricht auch Lettgen die Friseur-Geschäfte an. „Wenn da alle den Mindestlohn zahlen würden, wären wir glücklich“, so Lettgen. Zwischen den Anbietern müsse „Waffengleichheit“ herrschen, aber immer wieder gebe es Dumpingpreise, obwohl die bestehenden allgemein verbindlichen Tarifverträge gelten - auch für Nichtinnungsmitglieder.

Im Friseur-Handwerk wird der Mindestlohn seit 2013 in drei Schritten eingeführt. Im August folgt Teil drei. Dass der Lohn „nach unten abgedeckelt“ wird, könne er nur befürworten, sagt Innungsobermeister Klaus Peter Neske aus Xanten. Es gehe dabei auch um Qualität, die gute Leute leisteten und die honoriert werden müsse. Gegen Verstöße fordert er mehr Kontrollen des zuständigen Zolls. Jährlich 300 zusätzliche Kontrolleure will der bundesweit einstellen. Rund 160 Mitarbeiter des hier zuständigen Hauptzollamtes in Duisburg, auch für Oberhausen und Mülheim zuständig, achten auf die Einhaltung des Mindestlohnes. Verstößen, oft von Arbeitnehmern angezeigt, folgen Bußgeldverfahren.

Das Bäcker-Handwerk, so der Kamp-Lintforter Innungsobermeister Johannes Gerhards, sei ebenfalls tariflich abgesichert - ausgenommen die Schüler, die etwa als Auslieferungsfahrer tätig seien. Oder die am Sonntag Brötchen verkaufen. Ob der Mindestlohn die Brötchen teurer macht? „Jeder Bäcker muss sehen, wie er mit seiner Kalkulation klar kommt“, sagt Gerhards.

Für ihn sei der Mindestlohn „nie Thema“ gewesen, sagt Ulrich Langhoff, Betreiber des Weseler Restaurants „Lippeschlößchen“ und zugleich Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes für den Kreis Wesel. „Vom Spüler über die Service-Kraft bis hin zum Koch“ erhielten alle Mitarbeiter Tariflöhne. „Und unsere Aushilfen 8,50 Euro netto.“ Es sind allerdings nicht mehr als 56 Prozent der im Nahrungs- und Genussmittelbereich tätigen Betriebe des Kreises Wesel, einschließlich Kioske oder Caterer, Verbandsmitglieder, für die Langhoff spricht.

Hans-Jürgen Hufer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten für die Region Nordrhein, weiß: „Es wird schwarze Schafe geben - ganz sicher: Chefs, die keine 8,50 Euro pro Stunde bezahlen. Oder Unternehmer, die die Arbeitszeit so knapp bemessen, dass Überstunden anfallen, die dann zum Null-Tarif geleistet werden müssen.“ Das gehe bis zur knallharten Alternative: Entweder Niedriglohn oder Kündigung.