In Wesel funktioniert die Ökumene

Eine große Runde zum 475. Geburtstag. Ostermontag wurde er im Willibrordi-Dom begangen.Hier geht es um den Friedensgruß Hand in Hand.Foto: Diana Roos
Eine große Runde zum 475. Geburtstag. Ostermontag wurde er im Willibrordi-Dom begangen.Hier geht es um den Friedensgruß Hand in Hand.Foto: Diana Roos
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Was wir bereits wissen
475 Jahre Evangelische Kirchengemeinde - im Willibrordi-Dom wurde der Geburtstag am Ostermontag begangen. Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland Manfred Rekowski hielt die Gastpredigt

Wesel..  Zu Vergebung und Nächstenliebe, und auch zur Verstärkung der ökumenischen Arbeit, rief Pfarrer Manfred Rekowski die evangelische Kirchengemeinde Wesel Ostermontag auf. Anlässlich der 475-Jahr-Feier der Gemeinde, hatte der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland beim Fest-Gottesdienst im Willibrordi-Dom vor rund 650 Gläubigen eine Gastpredigt gehalten.

Auf Menschen eingehen

Eine Gemeinschaft schaffen, so wie Jesus es getan hat, dazu hielt der Präses in seiner Predigt an, und erinnerte daran, dass Jesus mit Judas das Abendmahl geteilt habe, obwohl er wusste, dass dieser ihn verraten würde, oder dass er bei Zachäus eingekehrt ist, obwohl der Zöllner und damit Sünder war. Ebenso sollten die Gläubigen auf Menschen eingehen, die in der heutigen Gemeinschaft schlecht angesehen sind, weil sie beispielsweise ein „nicht ganz lupenreines“ polizeiliches Führungszeugnis haben.

Grußwort der Bürgermeisterin

Zudem betonte der Chef der Landeskirche, wie wichtig die konfessionsübergreifende Zusammenarbeit ist: „Unsere Welt braucht das ökumenische Zeugnis!“ Erst vor kurzem habe sich das in Wuppertal gezeigt, wo ein ökumenisches Kinderhospiz eröffnet wurde, da weder die katholische, noch die evangelische Kirche es allein geschafft hätten.

Neben der Rede des Präses war das gemeinsame Abendmahl ein weiterer Höhepunkt. Anstatt Brot und Wein, wie sonst üblich, am Altar auszuteilen, wurden dieses Mal gleich mehrere Brotkörbe und Weinkelche durch die Reihen gegeben. Das war zum einen zeitsparend, zum anderen schuf es ein gemeinschaftliches Gefühl.

Im Anschluss an den eigentlichen Gottesdienst folgten Gratulationen zum 475. Gemeinde-Geburtstag. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp berichtete in ihrem Grußwort von der Entwicklung der Reformation in Wesel und stellte dar, wie eng Kirche und Religion damals mit der Politik verwoben waren.

Reformatorische Impulse

Kreisdechant Stefan Sühling hingegen beleuchtete den Geburtstag aus heutiger Sicht. Er überbrachte die Grüße der katholischen Schwestergemeinde St. Nikolaus und sagte, dass sie „dankbar für reformatorische Impulse“ sei. So sei etwa „das Lesen der Schrift“ heutzutage auch bei den Katholiken etabliert. Auch der Superintendent des Kirchenkreises Wesel, Thomas Brödenfeld, betonte, wie gut das evangelische und katholische Miteinander in Wesel funktioniere. So gebe es beispielsweise seit einigen Jahren an den Weseler Schulen keine konfessionell getrennten Gottesdienste mehr. Die „Pflege der Ökumene vor Ort“ ist auch erklärtes Ziel in der neuen Gemeindekonzeption, die bei diesem Anlass veröffentlicht wurde. „Die Gemeindekonzeption ist so etwas wie unsere Verfassung, der Rahmen in dem wir uns gestalten“, erklärte Albrecht Holthuis, Vorsitzender des Presbyteriums. Auf den rund 25 Seiten werden Leitgedanke, Identität, Ziele, Handeln und Ressourcen der Gemeinde vorgestellt. „Die Bezirke sollen zu einer Gemeinde zusammenwachsen“, fasste Albrecht Holthuis zusammen.

Mehr Ehrenamtler erwünscht

„Außerdem wollen wir mehr 30- bis 50-Jährige ansprechen, vielleicht durch modernere Gottesdienstformen. Das ist die Gruppe, die am schwächsten vertreten ist“. Zudem soll sich das ehrenamtliche Engagement der Gemeindemitglieder erhöhen, die Zahl der bisher rund 500 Ehrenamtler wachsen. „Die Kirche lebt von all denen, die daran mitarbeiten wollen“, so Holthuis.