In Frack und Melone mit Berliner Schnauze

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Hamminkeln..  Beim 25. Gastspiel von Hans-Peter Körner in Marienthal erinnerte er an den ersten Auftritt von Otto Reutter vor 115 Jahren im Wintergarten-Theater in Berlin. Körner und Publikum waren direkt drin, im Reutterschen Lied- und Spaßuniversum. „Mit der Uhr in der Hand“ begrüßte Körner die Zuschauer. „Ganz schön aktuell das Lied, ne?“, fragte er. Wobei: „Gegen Stress und Zeitdruck hilft nur Lachen, meine Damen und Herren!“

Von den mehr als 1041 Liedern und Couplets von Otto Reutter gab es eine bunte Auswahl zu erleben und den nächsten Alltagsratschlag dazu: „Wenn sie am Montag die Zeitung aufschlagen, direkt lachen! Nur Freude hilft durchs Leben!“ Körner sang ein Jahreslied über lustige Alltagsbegebenheiten. „Sie haben den September vergessen“, rief ein Mann aus dem Publikum. Ohne viel Aufhebens schob Körner die Strophe gekonnt hinterher – ein schöner Spaß. Zwischendurch zitierte er schnell Erich Kästner, um danach aufs „Karussell“ aufzuspringen. Mit seiner prägnanten und kräftigen Stimme faszinierte er bei seinem Vortrag, den er locker vom Hocker, mit Melone auf dem Kopf und im Frack mit Weste und großer Fliege vortrug.

Körner gab vieles von seinem Idol preis. So die auch die „Macke von Otto Reutter. Der schrieb nämlich alles in Versform: Briefe, Lieder, Texte“, erzählte er verzückt. Dann las er „den egoistischen Neujahrsgruß“ vor - passend.

Immer wieder erzählte er Episoden aus dem wahren Leben Otto Reutters. „Bei der Genese seiner Lieder ging Reutter immer mit der Zeit, darum hat er stetig aktualisiert. Ergebnis: Ein Lied hatte am Ende mehr als 152 Strophen.“ Körner schaffte es mit viel Spielfreude und mit darstellerischen Mitteln die Person, den Künstler Otto Reutter, facettenreich auf die Bühne zu zaubern. Markenzeichen: Bühnenpräsenz und ein verschmitztes Lächeln.

Oft ging es ins Politische. Man wunderte sich über die ausgefeilte Aktualität, obwohl die Texte teils mehr als hundert Jahre alt sind. „Reutter machte oft ein dummes Gesicht zur Eröffnung auf der Bühne, um die Leute zum Lachen zu bringen“, erklärt Körner und zog direkt danach minutenlang brillante Grimassen. „Sie sollten sich mal sehen, wenn Sie lachen“, hält er dem Publikum einen Spiegel vor.

„In 50 Jahren ist alles vorbei“ ein Lied in vielen Episoden mit Themen aus dem Leben gegriffen, kam beim Publikum besonders gut an. Die Hommage an das weibliche Geschlecht („Wie reizend sind die Frauen“) blieb natürlich nicht ohne Seitenhiebe. Nach der Pause ging es mit dem „Schnatterhüpferllied“ weiter. „Das Lied ist nicht so gut, aber es reicht für Sie hier heute Abend.“

Und so ging es weiter. „Der Lebenslauf“ verzückte genauso wie das unaufdringlich pointierte Klavierspiel und die tolle Liedbegleitung durch Pianistin Susanne Fiedler – eine Könnerin an ihrem Instrument. Natürlich forderte das Publikum das Lied „Der Überzieher“ (gemeint ist ein Mantel) – eines der bekanntesten Lieder Otto Reutters. Die Zeile „… ist der Überzieher weg!“ sangen alle Gäste treuherzig mit.

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