Immer wenn der Pieper ruft...

Sabine Draeger, Bürgermeister Mike Rexforth, Heinz-Günther Draeger, Gemeindebrandmeister Gregor Sebastian und Helmut auf der Springe, Chef des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr  (v.l.). Vorne sitzt Edith Draeger.
Sabine Draeger, Bürgermeister Mike Rexforth, Heinz-Günther Draeger, Gemeindebrandmeister Gregor Sebastian und Helmut auf der Springe, Chef des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr (v.l.). Vorne sitzt Edith Draeger.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Gestern wurde der Feuerwehrmann Heinz-Günter Draeger ausgezeichnet. Wenn Alarm ist, sperrt er notfalls sein Geschäft zu.

Schermbeck..  Es wird eng im Schuhaus Draeger. Alle sind gekommen. Bürgermeister Mike Rexforth und Fachbereichsleiterin Irmgard Schwenk mit Urkunde und feuerrotem Tulpenstrauß. Der Chef, Gemeindebrandmeister Gregor Sebastian und Helmut auf der Springe, Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr. Die Familie, Mutter Edith Draeger, Ehefrau Sabine, Tochter Miriam, Lucky, der Hund. Und obendrein die Journalisten. So staunten die Kunden nicht schlecht, die gestern das Ladenlokal an der Mittelstraße betraten: „Was ist denn hier los!?“

Für Geschäftsführer Heinz-Günter Draeger war’s ein besonderer Tag. Er wurde für seinen ehrenamtlichen Einsatz bei der Feuerwehr geehrt - auch. Denn die Urkunde nahm der 54-Jährige quasi in Personalunion entgegen. Zum einen engagiert er sich seit 1977 beim Löschzug Schermbeck - zum anderen lässt er dieses Engagement auch zu. Bereits zum sechsten Mal zeichnet die Gemeinde Betriebe aus, die es Mitarbeitern ermöglichen, auch während des Jobs zu einem Feuerwehralarm auszurücken. Und da Heinz-Günter Draeger sein eigener Chef ist, hat er die Anerkennung doppelt verdient.

Seniorchefin Edith Draeger nahm inmitten der Gratulanten Platz. Sie hätte eigentlich auch eine Urkunde erhalten müssen. Edith Draeger steht parat, wenn der Notfall-Pieper den Sohn zum Einsatz ruft. Dann schwingt sich Heinz-Günter Draeger aufs Rad und flitzt zum Feuerwehrhaus, während die Mutter im Geschäft übernimmt. Die Kunden haben Verständnis, erzählte sie gestern. Vor allem die Schermbecker wundern sich nicht mehr, wenn der Chef plötzlich aus dem Laden saust.

„Für dich als Geschäftsführer und Feuerwehrmann ist der Einsatz doppelt schwer“, betonte Bürgermeister Rexforth. „Vielen Dank dafür im Namen aller Schermbecker.“ Jetzt sah Heinz-Günter Draeger etwas verlegen aus. Nicht immer sei die Mutter greifbar, nicht immer sei es ihm möglich, alles stehen und liegen zu lassen und zuzusperren. „Aber meistens bin ich doch dabei.“

Etwa zehn Mal pro Jahr piepst sein Notrufgerät. Darunter sämtliche Einsätze, tagsüber und nachts, vom Ast, der die Straße blockiert über die Ölspur auf der Fahrbahn bis zu Unfällen und Unglücken. Eingeprägt hat sich der brennende Dachstuhl in Rüste im vorigen Sommer. Oder der Juni 2010, in dem eine Halle des Blumenerde-Werks Stender in Flammen geriet. Drei Tage waren Schermbecks 36 freiwillige Feuerwehrleute damals vor Ort.

Aber Draeger ist nicht nur Feuerwehrmann. Er ist auch Kassierer beim Löschzug Schermbeck und beim Förderverein, und er ist zweiter Chef der Werbegemeinschaft. Seine Einsatzbereitschaft hat er vom Vater geerbt, erzählte er. Auch er war Feuerwehrmann, half ehrenamtlich in vielen Vereinen. Mutter Edith nickt. Sie schmunzelt. „Sein Vater war noch schlimmer.“