Immer einen Schritt voraus

Tragen viele alte Schätze zusammen: Christiane und Ingelore Hetzel.
Tragen viele alte Schätze zusammen: Christiane und Ingelore Hetzel.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Historiker Tim Michalak arbeitet an einer Chronik des Weseler Waldhotels Tannenhäuschen. Im kommenden Jahr soll das Buch erscheinen.

Wesel..  Es muss Vertrauen da sein, wenn man sich auf eine Zusammenarbeit mit Tim Michalak einlässt. Denn der Xantener Historiker und Germanist „wühlt“ ganz schön tief in Familiengeschichte und Familiengeschichten – und dabei kommt natürlich viel Privates und auch so manches bislang Unbekannte zum Vorschein. Aber genau das möchte Familie Hetzel. Die Besitzer des Waldhotels Tannenhäuschen vertrauen Michalak. Für sie arbeitet der Fachmann derzeit an einer Firmenchronik.

Voraussichtlich im kommenden Jahr soll das Buch mit dem Titel „Immer einen Schritt voraus“ veröffentlicht werden. Für Michalak ist es der zweite Teil einer Reihe zur Hotelgeschichte, im vergangenen Jahr veröffentlichte er im Anno-Verlag bereits ein Buch über das Xantener Hotel van Bebber. Spannend und interessant wird auch das Werk über das Waldhotel Tannenhäuschen, ist der Historiker überzeugt. Für Familie Hetzel selbst, genauso aber auch für Hotelgäste und Weseler Bürger. Denn darin enthalten sein werden auch wissenswerte Aspekte zur Stadtgeschichte. Das ein oder andere „Häppchen“ verriet der Chronist der NRZ bereits jetzt.

So recherchierte er etwa, dass das Grundstück mit Gebäude in der Feldmark, das Jakob Hetzel 1902 kaufte und auf dem er zunächst eine Gartenwirtschaft aufbaute, ursprünglich einmal eine Manufaktur beherbergte, in der Knochenmehl als Düngemittel hergestellt wurde. Oder dass der Heidedichter Hermann Löns sich um 1912 herum eine Zeit lang im Tannenhäuschen versteckte. Löns hatte sich zuvor von seiner Frau getrennt und war dann geflohen, um keine Alimente zahlen zu müssen. Erst nachdem der Dichter in ein Hotel in der Weseler Innenstadt umzog, wurde er erwischt und musste dann schließlich doch zahlen.

In den verschiedensten Archiven wurde Tim Michalak fündig. Vieles erfuhr er zudem von Seniorchefin Ingelore Hetzel. Die 84-Jährige habe ein „phänomenales Gedächtnis“ und sei die wichtigste Zeitzeugin, sagt der Germanist. Alte Unterlagen und Gästebücher ab 1970 studierte er ebenfalls. Die Geschichte des Tannenhäuschens sei die einer Familie mit starken Frauen, stellte Michalak bei seinen Recherchen schnell fest. „Und eine Geschichte voller neuer Ideen und Innovationen - eben immer einen Schritt voraus.“