Im Reich des Schattens

Christa Hartmann (die Dame mit Hut) zeigte den naturinteressierten Gästen, welche Pflanzen den Schatten lieben.
Christa Hartmann (die Dame mit Hut) zeigte den naturinteressierten Gästen, welche Pflanzen den Schatten lieben.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Geführtes Lustwandeln im Baumparadies Arboretum Grenzenlust. Bei einer Führung konnten sich Besucher am Tag der offenen Gartenpforte von der Artenvielfalt überzeugen.

Hamminkeln..  Die Frösche quaken. Sonst herrscht Stille. Weder Lärm durch Autos, noch andere Nebengeräusche stören die Idylle am Arboretum Grenzenlust am Bruchweg irgendwo zwischen Wesel und Hamminkeln. Tief verborgen zwischen Bäumen und Feldern. Ein kleiner Luftzug wirbelt in den Blättern der Bäume. Sonst ist es still.

Arboretum, das kommt aus dem Lateinischen und leitet sich von Arbor, der Baum, ab. Und damit wird klar, worum es Eigentümer Harald Schmitz, seiner Lebensgefährtin Christa Hartmann und allen Mitarbeitern des Parks geht – um Bäume. Wie banal, könnte man da denken. Doch die Welt der Bäume ist viel bunter, vielfältiger und überraschender als man denkt. Und genau von dieser Vielfalt und Artenpracht konnten sich die Besucher der offenen Gartenpforte am Wochenende bei einer Führung durch das Reich der Bäume überzeugen.

Insbesondere zahlreiche Arten von Buchen und Eichen lassen sich in der Anlage bestaunen. Sie dienen häufig als Schattenspender für die empfindlichen Schattenhölzer, die auf dem Boden gedeihen. Und damit beginnt der Rundgang im Reich des Schattens. „Wir haben hier insgesamt 120 verschiedene Sorten der Hosta“, erläutert Hartmann weiter und verweist dabei auf die unbeschreibliche Vielfalt der Funkien. „Das geht in die Tausende.“ Die Stauden wachsen gerne im Schatten der Bäume und blühen in den unterschiedlichsten Farben – nur nicht in Gelb, wie Hartmann stets betont.

Kaiserin Wu

Gegen Schnecken versuchen sie hier ihr Glück mit Kaffeesatz auf dem Boden. Frei nach dem Motto: „Man kann es ja mal probieren.“ Ebenfalls im Schattengarten zuhause ist die größte Hosta der Anlage, die Kaiserin Wu. Sie wird 1,20 Meter hoch und ist seit fünf Jahren Bestandteil des Arboretums Grenzenlust. Auch zahlreiche Gräser und Zwiebelgewächse finden sich im Schatten der Bäume.

Dann führt Hartmann die Gäste aus dem Schatten auf den grünen sonnigen Rasen, der gespickt mit einzelnen Bäumen ist, die allesamt, auch zum Schutz vor dem Rasenmäher, eine kleine Umrandung mit Rindenmulch oder eine schöne Bepflanzung haben. Denn auch Bäume brauchen ihre Ruhe. Mittendrin fällt ein Baum dagegen ganz besonders aus dem Rahmen. Mit seinen rotschwarzen Blättern und seinen hängenden Ästen sticht die Süntelbuche, eine seltene Blutbuche, die nur an drei Orten der Welt vorkommt, hervor. „Sie will sich drehen wie eine Korkenzieherhasel“, erläutert Hartmann. Sie soll durch eine genetische Deformation, ausgelöst durch einen Meteoriteneinschlag, entstanden sein. „Man findet sie nur in Süntel bei Hameln, in der Champagne und in Skandinavien“, so Hartmann, alles Orte, die man mit einem Lineal verbinden kann. „Ein genetischer Unfall sozusagen“, da seien sich, so Hartmann, die Wissenschaftler einig. Die Süntelbuche, die hier zu sehen ist, war eine Schenkung und sorgt für ein besonderes Highlight für Gartenfreunde.

Allen Gartenfreunden und Hobbygärtnern gibt Hartmann vor allem einen Tipp: Geduldig sein. Denn viele Pflanzen, beispielsweise die Strauchpfingstrose entwickeln erst nach 30 Jahren ihren vollen Habitus. Erst dann weiß man, ob die Zucht erfolgreich war. „Wer Strauchpfingstrosen pflanzt, arbeitet für die Zukunft“, betont sie. Daher fleht sie: „Lasst Strauchpfingstrosen zufrieden. Weg mit der Schere.“ Anders sei dies bei den Stauden. Die vertragen da deutlich mehr. Ähnliches gelte für den Weißdorn, auch sollte man lieber mal die Hände in den Taschen lassen. Frei nach Karl Förster: Besser mit Bedacht im Gartenstuhl als unbedacht im Garten.