Ideologie

Gesamtschule. So so. Alle Grundschul-Eltern sollen also nach dem Willen der Linken, Grünen und WWW-Piraten in Wesel ihre Kinder an der Gesamtschule anmelden. Ob sie wollen oder nicht. Damit diese Parteien damit Politik machen können. „Seht her, es gibt mehr Anmeldungen als Plätze. Wir brauchen ein zweite Gesamtschule“, werden wir dann zu hören bekommen. Wohl wissend, dass manche dem Aufruf folgen und eigentlich gar nicht auf die Gesamtschule wollen. Was wird damit erreicht? Nichts! Denn damit werden die Anmeldezahlen an der Gesamtschule noch undifferenzierter. Wir brauchen auch keine zweite Gesamtschule, weil wir damit unsere eigene Gesamtschule in ihrer Existenz gefährden. Längeres gemeinsames Lernen? Bisher gibt es keinerlei Beweis für den Erfolg dieser Modefloskel. Es gibt keinen Beleg dafür, dass das Ziel der Abschaffung von Bildungsungerechtigkeit wegen der sozialen Herkunft durch längeres gemeinsames Lernen erreicht wird. Zwar deuten statistische Berechnungen vage darauf hin. Aber es gibt handfeste Gegenbeispiele. Die Niederlande und Belgien etwa verfügen über eine sechsjährige Grundschule und sind, wie die Pisa-Studie zeigt, sozial noch ungerechter als Deutschland.

Und welches Bundesland zeigte sich bei dem jüngsten Ländervergleich der Schülerleistungen als das ungerechteste? Es war Berlin, wo die Kinder sechs Jahre lang gemeinsam die Grundschule besuchen. Dort ist die Leseleistung der Schüler, wie es die Bildungsforscher formulieren, am stärksten an ihre soziale Herkunft gekoppelt, können wir in der „Zeit“ lesen. Warum wird also in Wesel noch für etwas Werbung gemacht, was längst als Irrweg feststeht? Und Eltern auf diese Art und Weise für politische Zwecke zu missbrauchen, ist der vorläufige Tiefpunkt einer ideologischen Schulpolitik, die NRW schon mehrmals an die Spitze der PISA-Verlierer gebracht hat.