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Hollywood ist schon ganz nah

21.01.2011 | 16:56 Uhr

Wesel. Der Weseler Filmemacher Markus Pajtler (26) baut sich seine eigene Spielwelt und brachte es bereits bis nach Los Angeles.

Markus Pajtler ist ein Querkopf. Mit 26 überlegen sich andere, wo sie hinwollen, seine Studienkollegen machen sich Gedanken über ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit. Er macht Filme: Zwischen Texten und Referaten, zwischen Wesel, Essen, Bochum und Berlin, schreibt er sein Kopfkino in Drehbücher. Er kümmert sich um Geldgeber, organisiert Ausrüstung und Crew. In den Semesterferien wird gedreht. Jede Menge Stress, aber auch Freude. Er kann nicht anders, sagt er.

Werdegang
Abi am AVG

Sein Abitur machte er am Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG). In Köln und München sammelte er Regieerfahrung bei Sony Pictures, DSF und verschiedenen kleinen Produktionsfirmen. Seit 2007 studiert er in Bochum Theater- und Medienwissenschaft. Einen Trailer seines prämierten Films gibt es im Netz auf www.adamnkiller.com.

„Filmemacher werden nie erwachsen. Sie spielen Lego oder Playmobil in Groß. Wie Kinder bauen sie sich eine Spielwelt und bevölkern sie mit ihren Charakteren“, sagt Pajtler. Seine Filme sind wie er: eigensinnig, stilistisch originell, voller Anspielungen, intelligentem und debilem Humor, inspiriert vor allem von Sergio Leone.

„Ich mag den Stil der Sechziger und Siebziger – als Film noch Handwerk war. Klarer Stil, ohne Wackelkamera und Spezialeffekte“, sagt Pajtler. Er verfilmt, was ihn interessiert, „Liebe, Hass und Popkultur.“ Doch ihm sei nicht so wichtig, was man erzählt, sondern wie. „Inhaltlich unterscheidet sich mancher gute Film nicht von GZSZ. Aber stilistisch. Oder nimm ‚Spiel mir das Lied vom Tod’: Das Thema, die Story sind tausendmal erzählt worden. Aber nie so.“ Er grinst, weil er das Gespräch auf seinen Lieblingsfilm lenkt. „In einem guten Film – wie ‚Spiel mir das Lied vom Tod’ – findet man sich selbst wieder in Themen und Figuren. Man denkt nicht nach, sondern verläuft sich im Wald der Bilder. Das zu erreichen, ist Technik: Schauspiel, Kameraarbeit, Montage, alles spielt zusammen, um den Zuschauer in den Film zu holen.“ Seine Filme schaffen das. Im rauschhaften „Lebe, Companero!“ fährt ein schwarzer Berliner mit einem Deutschtürken Gedichte lesend in einem amerikanischen Polizeiwagen durch die Nacht und duelliert sich mit ungeladenen Pistolen, ohne dass das im Mindesten so anstrengend wäre, wie es klingt. Pajtler inszeniert es so konsequent – ihm glaubt man das. „Die Leute mögen die Dialoge und die Bilder, sagen sie. Ich arbeite daran, ihnen mehr zu bieten: dass sie am Ende den Film lieben und nicht nur Bilder und Dialoge. Mit zunehmender Erfahrung begreift man, dass man Filme nicht nur für sich macht, sondern für ein Publikum.“

Nur salziges Popcorn

In Pajtlers aktuellem Film will Adam Profikiller werden. Damit ihn die Gilde aufnimmt, muss er einen Wildfremden grundlos töten. Da kommt der lebensmüde Schauspieler Eve daher. Der aber möchte sich vor seinem Tod ein letztes Mal filmen lassen und mimt den Klaus Kinski.

Mit Kinski wurde der Berliner Philipp Bender (Eve) „bester Nebendarsteller“ auf dem Reel Independent Film Festival in Los Angeles. Pajtler erzählt: „Roter Teppich, Ballkleider, sich anbiedernde Leute – ich hatte eigentlich gehofft, was anderes vorzufinden.“ Sein Film wurde aufgrund technischer Probleme direkt vor der Preisverleihung gezeigt. „Die Leinwand riesig, 800 Zuschauer im Saal, wir mittendrin.“ Eine erhebende Erfahrung für den Weseler. „Nur ein Kritikpunkt: Sie hatten nur salziges Popcorn“.

Rettungsschwimmer am Auesee

Neben ihm saß Hollywood-Schauspieler David Gant. Der spielt auch mit. „Gant ist einer der besten, er hat erstklassige Erfahrung, auch auf Theaterbühnen. Den Kontakt herzustellen zu dem, der Mel Gibson tötete und mit Clint Eastwood und Robert de Niro spielte, war besonders. Man lernt viel bei der Arbeit mit ihm, der schon so viel gesehen hat im Business. Wir haben uns angefreundet. Er möchte auch im nächsten Film dabei sein.“ Das werden drei Episoden, „abendfüllend, wenn ich das Geld dafür bekomme“: ein Arbeitsloser, der Handlanger eines Kriminellen wird, eine Prostituierte, die nicht gerettet werden will, ein Ex-Fußballprofi, der im Rollstuhl sitzt, weil er verdrängt, dass er laufen kann. Pajtler fasst zusammen: „Taxi Driver mit einem Hauch von Spaghettiwestern.“

Und falls es mit dem Filmemachen irgendwann nicht mehr klappt? Der unbeirrbare Pajtler antwortet: „Dann werde ich Rettungsschwimmer am Auesee. Für den Winter muss ich mir noch was überlegen.“

Fabian May

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