Höhere Zinsen für Sparer sind nicht in Sicht

Schermbeck..  Das Beispiel, mit dem Rainer Schwarz, Vorstand der Volksbank Schermbeck, die Ist-Situation skizzierte, sagt mehr als tausend Worte. Wer sein Geld 1990 konservativ anlegte, brauchte im Schnitt zwölf Jahre, um es zu verdoppeln. Heute, schätzte der Fachmann, würde der gleiche Prozess 120 Jahre dauern. Und so gibt es bei der Bilanz, die Schermbecks Finanzfachleute gestern zogen, für die Sparer nicht viel zu beschönigen. Die Zinsen sind im Keller, ein Ende ist nicht in Sicht. Eine Folge: Nie war es so wichtig und gleichzeitig so schwer, für sein Alter vorzusorgen.

„Lösungen im Wandel“ hat die Volksbank Schermbeck als Motto über 2015 gestellt. Wobei es für Vorstand Wilhelm Köster das letzte Berufsjahr sein wird. Ende Juli wechselt der 62-Jährige nach 45 Jahren in den Ruhestand. Der neue Kollege steht in den Startlöchern: Norbert Scholtholt, 42, übernahm es gestern, die Zahlen 2014 vorzutragen. Er ist seit 1991 im Betrieb, zuletzt kümmerte er sich als Prokurist um Organisation, Rechnungswesen, Controlling.

Vorsichtige Prognose

Mit Blick auf den Volksbank-Gedanken, mit regionalem Geld den regionalen Wirtschaftskreislauf in Gang zu halten, schaue man zufrieden auf das Geschäftsjahr 2014, sagte Scholtholt. Summa Summarum stehe am Ende ein Ergebnis von rund 1,5 Millionen Euro. 10 656 Mitglieder zählte die Kreditgenossenschaft zur Jahreswende. 320 Teilhaber kamen 2013 neu dazu.

Im einzelnen stieg das Gesamtkundenvolumen, die Summe aller Geldanlagen sowie der Kredite an Firmen, Häuslebauer und Verbraucher, um 5,4 Prozent auf 828 Millionen Euro. Die Bilanzsumme wuchs um 4,5 Prozent auf 421 Millionen Euro – eingeschlossen sind hier ausgeliehene Beträge, Spareinlagen, Tagegelder, Sparbriefe und Geldanlagen. Immer noch, so Scholtholt, setzten die Sparer auf kurz laufende, sichere Anlageformen.

Die Prognose fällt vorsichtig aus. Zwar verzeichne man aktuell noch ein überdurchschnittliches Wachstum – dennoch seien die Erträge rückläufig. Als Gründe nannte Rainer Schwarz Niedrigzinsen, Regulierungswut und erhöhte Anforderungen der Bankenaufsicht. 2016, so Scholtholt, werde unter Umständen auch die Höhe der Dividende zu diskutieren sein. Diese Prognose berührt auch die Finanzen der Gemeinde. Noch, resümierte Schwarz, sei man mit rund 600 000 Euro in 2014 der größte Gewerbesteuerzahler, „aber auch dies wird wohl zurückgehen.“ Nicht unproblematisch sei auch das Immobiliengeschäft. Nach der Bebauung des Gebiets Am Mühenbach stünden fürs erste keine Grundstücke mehr zur Verfügung, „dabei gilt Schermbeck als äußerst attraktiv.“

Ungebrochen ist das soziale Engagement des Geldinstituts: 2014 wurden 84 Vereine und Organisationen mit rund 87 000 Euro bedacht.

70 Mitarbeiter hat die Volksbank aktuell. Künftig wird der Aufsichtsrat auf sechs Mitglieder erweitert, außerdem der Personaleinsatz für den Internetauftritt ausgebaut und die Wertpapierabteilung aufgestockt. Schließlich gelte eine (Misch-)Investition in Immobilien, Fonds und Aktien zurzeit als effektivste Geldanlage für den Bürger.

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