Herrliche Verwirrung um einen weißen Hasen namens Harvey

Wesel..  Nie war er zu sehen, Harvey, ein mindestens zwei Meter großer weißer Hase mit langen Löffeln und einem bezauberndem Charisma, dem nicht nur Hauptdarsteller Volker Lechtenbrink verfallen war. Natürlich gab es im Bühnenhaus, wo das Stück am Wochenende zweimal zu sehen war, Auftrittsapplaus für den Publikumsliebling - alias Elwood P. Dowd. Allgegenwärtig war Harvey trotzdem. Nicht nur im Namen des Stückes – geschrieben von Mary Chase –, sondern auch als Porträtbild auf der Bühne, als Skizze im Programmheft und auf dem Plakat sowie in den Dialogen des Bühnenspiels, das 1944 am New Yorker Broadway uraufgeführt wurde.

Der schrullige Elwood P. Dowd lebt sein Leben in enger Bindung zum imaginären Harvey und tyrannisiert damit die Familie in Person seiner Schwester Veta und deren Tochter Myrtle May, die den verrückten Spleen des Bruders und Onkels peinlich finden und gesellschaftlichen Schaden befürchten, wenn bekannt würde, das Elwood einen weißen Hasen sieht, mit ihm spricht und in allen Bars der Stadt einen „lüpfen“ geht. Psychiatrische Hilfe muss her. Veta will ihren Bruder Elwood in ein Sanatorium einweisen lassen, und von nun an geht es drunter und drüber. Psychiater, Sprechstundenhilfe und Pfleger machen schnell die Bekanntschaft mit Harvey, der viel Wirbel produziert, am Ende aber für zwei verliebte Paare sorgt: Psychiater Dr. Sanderson verguckt sich in die schöne Oberschwester Kelly (gespielt von Felix Lohrengel und Katharina Püttner) sowie Nichte Myrtle May, die sich in den Pfleger Wilson verliebt (gespielt von Christina Arndt und Johnny Müller). Chefpsychiater Dr. Chumley (Markus Stolberg) glaubt am Ende selber an die Existenz des weißen Puka-Hasen.

In den Reihen des Publikums hörte man in der Pause unterschiedliche Kritik: „Das ist sehr amüsant“, „Gefällt mir gut“, „Kommt irgendwie nicht aus dem Quark“, „Könnte mit mehr Pepp gespielt werden“.

Das Stück hat das Zeug zu einer klassischen Screwball-Komödie, bei der in rasanter Folge verrückte, unerwartete, spaßige Dinge passieren. Toll waren Spielabschnitte, in denen immer wieder Verwechslungen passierten, Türen knallten, Haare gerauft wurden und Kartons von einem Sessel in den anderen gebracht wurden, um Sitzplatz frei zu machen, der aber eben immer wieder zeitgleich belegt wurde. Die Dialoge hatten Witz und wurden auf die heutigen Gegebenheiten angepasst. So wurde mit einem „Im-Ohr-Bluetooth-Handy“ telefoniert und manche längst abgedroschene Witzigkeit aus der Tatsache gezogen, dass der Anwalt von Veta Simmons scheinbar mit jemandem spricht, der nicht im Raum ist.

Am Ende gab es viel Applaus für einen heiteren Theaterabend und die Akteure, die sich lachend und winkend beim Publikum bedankten. Und wer jetzt genau hinschaute, der konnte im Schattenriss hinter der gelungenen Bühnenbildkulisse Harvey sehen, so wie er leibt und lebt.