Hausbesuche gehören im Handel zum Service

Die Arbeit hat sich gelohnt: Stolz zeigt der Seniorenbeiratrat die neue Broschüre. (Foto privat)
Die Arbeit hat sich gelohnt: Stolz zeigt der Seniorenbeiratrat die neue Broschüre. (Foto privat)
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Ob Lebensmittel, Bekleidung oder gar Wein und Schuhe - der Seniorenbeirat Wesel hat aufgelistet, wer zu dieser Dienstleistung bereit ist

Wesel..  Zu fit fürs Altenheim - aber nicht fit genug, um einkaufen zu gehen, zumal die kleinen Läden in vielen Ortsteilen eingegangen sind? Der Seniorenrat hat lange über dieses Problem nachgedacht. Wenn die Senioren, wahlweise auch sportliche Mittzwanziger, die sich ein Bein gebrochen haben oder Menschen mit Behinderung, kurz: Wenn die Kunden nicht zu den Dienstleistern kommen können, müssen die eben zu den Menschen gehen.

Klinken putzen

Klingt einfach, ist aber mitunter kompliziert. Mit der Broschüre „Wir kommen zu Ihnen nach Hause – Dienstleistungsangebote in Wesel“ bietet der Seniorenbeirat einen Überblick der Dienstleister, die für diese Lösung offen sind.

„Es geht um Quartiersarbeit“, erläutert Gertrud Liman, Vorsitzende des Seniorenbeirats. Ursprünglich hatte der lediglich eine kleine Liste erstellen wollen, doch daraus wurde viel mehr. Seniorenbeiratsmitglied Jürgen Kleffel ging Klinken putzen. Bei Einzelhändlern, Ärzten, Apotheken. „Lebensmittel stehen an erster Stelle“, sagt er. Es ist ein Grundbedürfnis, aber es ist auch ein Problem. „Die Einzelhändler dürfen die Kühlkette nicht unterbrechen. Die rechtlichen Hürden für eine Lebensmittellieferung sind hoch“, erläutert Liman.

Trotzdem: Die Rewe-Märkte Aufischer, Blankenagel und Koch kriegen es hin, außerdem Edeka Janssen in Ginderich. Im Dom-Viertel liefern auch die türkischen Lebensmittelhändler Isik und Serhat, die sich um die Nachbarschaft kümmern. „Wenn Händler einzelne Stadtteile beliefern, ist das gut“, sagt Liman. Es komme lediglich darauf an, dass es letztlich überall ein erreichbares Angebot gebe.

Unermüdlich hat Jürgen Kleffel Dienstleister angesprochen. Die 32-seitige Broschüre enthält Wein, Mode, Schuhe, Wäsche, Bücher, Brillen, Bettzeug, Elektronikartikel, Blumen, Schreibwaren - fast alles, was das Herz begehrt, falls nötig sogar Modellbahnzubehör. „Für die Händler ist es ein Aufwand. Aber es ist auch eine Chance, gegen den Internethandel zu bestehen“, sagt Liman. Im Bereich Gesundheit und Pflege sind die Apotheken ganz vorn und die Sanitätshäuser, Friseur, Fußpflege - es gibt kaum etwas, was sich nicht auch in den eigenen vier Wänden erledigen ließe.

Personalintensiv

„Viele haben mir gesagt, sie machen das ja schon immer so“, sagt Jürgen Kleffel. Langjährige Kunden daheim bedienen als Selbstverständlichkeit, das gibt es noch. Der Service ist personalintensiv, bringt kaum etwas ein. Dennoch liegt hier die Zukunft. „Häufig erledigen die Geschäftsführer die Lieferung selbst.“ Das ist die eine Seite. Doch mancherorts ist Kleffel abgewimmelt, vertröstet, mitunter gar vor die Tür gesetzt worden. „Vielleicht melden die sich noch, wollen aufgenommen werden“, meint er.

Jetzt muss sich das Angebot herumsprechen, muss die Broschüre zu den Leuten kommen. Das andere bringt die Zeit.