Hat er in die Kasse gegriffen?

Wesel..  Laut Anklage soll ein 42-jähriger ehemaliger Mitarbeiter des Erholungszentrums Grav-Insel in Flüren insgesamt 62 Mal in die Pförtnerkasse gegriffen und damit einen Schaden von fast 14 000 Euro verursacht haben. Der Beschuldigte bestreitet alles und behauptet sogar: „Das Ganze ist ein Komplott. Man wollte mich nur loswerden.“ Die Beweislage gestaltet sich recht schwierig: In der Hauptverhandlung vor dem Weseler Schöffengericht wurden gestern zwar sieben Zeugen gehört, doch ausreichende Klarheit brachte das noch nicht, weshalb der Prozess am Montag, 2. März, um 14 Uhr fortgesetzt wird.

Zwischen dem 13. Juli 2012 und dem 26. April 2013 habe der in Sonsbeck wohnende Familienvater, der inzwischen als Lkw-Fahrer arbeitet, das Geld gestohlen, verlas die Staatsanwältin. Laut Anklage habe der Beschuldigte bewusst das Computerprogramm, mit dem die Einnahmen erfasst wurden, vor der Tagesabrechnung um einen bestimmten Betrag manipuliert und genau diese Summe anschließend aus der Kasse des Pförtners genommen. Folge: Bei der Einzahlung der Bar-Einnahmen der jeweiligen Schicht in die Hauptkasse gab es dann logischerweise keine Differenzen.

Trotzdem gab es irgendwann einen Verdacht, dass etwas mit der Abrechnung nicht stimmen könne. Im Hintergrund wurde ein Computerprogramm installiert, das dokumentierte, was während einer Schicht bis zur Abrechnung in den Eingaben verändert wurde. Der Programmierer, ein gelernter Schmied, erläuterte vor Gericht ausführlich, wie er eine erste „Sicherung“ Mitte Juli 2012, eine weitere dann am 4. September 2012 eingebaut habe – unbemerkt von dem Beschuldigten und anderen Mitarbeitern.

Nicht ganz klar wurde bei der Verhandlung, warum erst mehr als neun Monate vergingen, ehe die Verantwortlichen den Angeklagten damit konfrontierten. Er habe zwischenzeitlich schon nicht mehr an das Sicherungsprogramm gedacht, erläuterte der Programmierer unter anderem. Außerdem habe er zunächst einmal den Fehler bei sich selbst gesucht und sich auch nicht vorstellen können, dass jemand an seinem Programm Manipulationen vornimmt.

Nun wird sich bis zur nächsten Verhandlung auf Antrag der Verteidigung ein Computer-Sachverständiger mit dem besagten PC-Programm intensiv beschäftigen.